Dieser Speed – das ist Adrenalin pur. Es ist einfach faszinierend, wie so eine Rakete von der Startrampe rauscht. Mit meiner «Arrow», einer selbst gebauten Rakete, will ich nächstes Jahr an einem Flugtag in der Wüste Nevadas den Höhenweltrekord brechen. Die Amerikaner werden Augen machen: Laut meinen Computersimulationen wird mein Hochleistungsfluggeschoss eine Höhe von 13'000 Metern erreichen – und den bestehenden Weltrekord in dieser Leistungsklasse um 2000 Meter überbieten.

Den Konstruktionsplan habe ich schon lange in der Schublade. Es ist keine normale Rakete aus Glasfaser, Hartpapier und Balsaholz. Bei den Kräften, die auf sie einwirken, muss mein Fluggerät aus festerem Material gebaut sein. Das Ding beschleunigt innerhalb von zwei Sekunden auf über zweifache Schallgeschwindigkeit. Das ist extrem, ein Mensch würde das nicht überleben. Und Raketen aus den herkömmlichen Materialien auch nicht.

Der Rekord wird an Bord dokumentiert
Deshalb verwendete ich für mein ultraschnelles Fluggeschoss Kohlefaserstoff. Es handelt sich dabei um ein eher unübliches Material: Es wird in der Automobil-Formel-1-Technik genutzt und ist sehr teuer. Bei der Konstruktion des ultraleichten, zweistufigen High-Tech-Fluggeräts halfen mir ETH-Fachleute. Jede Stufe ist mit einem Bordcomputer ausgerüstet, der vier Fallschirme auslöst – und mit einem Höhenmesser, damit mein Weltrekordversuch auch dokumentiert wird.

Eigentlich hätte er bereits vor zwei Jahren stattfinden sollen. Doch der Terroranschlag auf das World Trade Center kam dazwischen. Daraufhin wurde in den USA jeglicher Start von Modellraketen vorerst einmal verboten. Also mottete ich die Rakete vorübergehend in meiner Werkstatt in Schlieren ein.

Doch diesen Winter werde ich sie fertig bauen. Allein in der schwarzen Hülle stecken ein paar hundert Stunden Arbeit. Das Rohr ist zweieinhalb Meter lang. Noch fehlt das Innenleben. Für den Einbau der Elektronik werde ich weitere hundert Stunden brauchen.

Die ersten Fussspuren im Mondstaub
Feuer gefangen für Raketen und die Raumfahrt habe ich bereits 1969 als kleiner, sechsjähriger Knopf. Ich sehe die schwarzweissen Fernsehbilder der Mondlandung noch heute vor meinem geistigen Auge, als wäre es erst gestern gewesen: Wie die ersten Menschen damals im Mondstaub herumstapften, einfach fantastisch! Würde mir heute angeboten, an einem Raumflug teilzunehmen – ich stiege sofort ein.

Mich begeistert diese Urkraft der Raketen. Kein anderer Antrieb ist so mächtig. Es ist einfach faszinierend, diese Technik zu beherrschen. Ich bin ein «Pyromantiker»: Die Antriebstechnologie fesselt mich, obwohl sie nicht Teil meines Hobbys ist: Aus Sicherheitsgründen bauen wir keine eigenen Triebwerke, sondern verwenden industriell vorgefertigte.

Der Bau von Modellraketen ist ein schöner Ausgleich zu meinem kopflastigen Beruf in der Computerbranche, wo ich ein Team von Ingenieuren leite. Die Faszination für Raumfahrt und Pyrotechnik habe ich wohl von meinem Vater geerbt, das handwerkliche Geschick von der Mutter.

Erstmals auf Modellraketen stiess ich 1970 in Grossvaters Hobbymagazinen. Begierig verschlang ich die Hefte auf dem Wohnzimmerboden. Den Startkick zum Selberbauen gab wiederum eine Illustrierte: Als ich während meiner Gymnasialzeit eine Zeitschrift für eine Collage zerlegte, stiess ich auf einen Artikel über einen Raketenflugtag, den das Technorama in Winterthur veranstaltet hatte. Von da an war ich nicht mehr zu halten.

Ich fing mit kleinen Modellen an: Meine erste Rakete war 30 Zentimeter lang und hatte einen Durchmesser von zwei Zentimetern. Die kleinen Schwarzpulvertreibsätzchen katapultierten das Geschoss in eine Höhe von bis zu 200 Metern.

Während des Studiums erfuhr ich, dass in den USA sehr viel grössere Triebsätze verwendet wurden. Ich war begeistert. Das war nicht mehr Low-Tech: Die Amerikaner verwendeten für ihre Modellraketen Triebwerke auf aktuellstem Raumfahrtstandard – einfach kleinere.
Von da an war klar: Dieses Hobby würde mich auch als Erwachsenen nicht loslassen. 1997 gründete ich mit Kollegen aus der früheren Raketenzeit den Modellbauklub Argos.

Das Wunderding namens Erde
An Seminaren lernte ich neben Claude Nicollier, dem einzigen Schweizer im Weltall, auch Charlie Duke kennen. Er war 1972 mit der Apollo 16 auf dem Mond. Mich interessierte, wie das für ihn und die Apollo-Crew war, auf 2500 Tonnen hochexplosiven Treibstoffs zu sitzen und zu warten, bis das Ding endlich startete.

Duke schilderte anschaulich, wie schön unser Erdball ist, wenn man ihn als Kugel im Weltraum hängen sieht. Da werde einem bewusst, wie zerbrechlich die Erde sei – und was für ein «Wunderding» sie sei.

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