Als ich am Morgen des 29. März um 4.30 Uhr beim Brandobjekt eintraf, fiel gerade die Scheune in sich zusammen. Zum Glück wurde an diesem Samstag durch die herunterstürzenden Balken niemand verletzt. Das denkmalgeschützte Bäumlihofgut brannte lichterloh. Das ging mir nahe, denn ich bin in Riehen aufgewachsen und kannte die Bewohner des Hofs. Wir hatten dort früher auch schon Feuerwehrübungen durchgeführt.

Kurz zuvor hatte mich der Alarmruf des Pagers aus dem Schlaf gerissen. Da der Brandstifter in letzter Zeit immer am Wochenende zuschlug, hatte ich ohnehin unruhig geschlafen. Ständig plagt mich das Gefühl, jetzt wird es gleich Alarm geben. Inzwischen habe ich meine Brandstiefel und Feuerwehrhose stets griffbereit, auch wenn ich schlafe, damit ich keine Zeit verliere. Wenn ich am Wochenende eingeladen bin, mich mit Freunden treffe, bin ich trotzdem ständig in Alarmbereitschaft.

Das Leiden der Opfer
Im Einsatz verliere ich jedes Zeitgefühl. Ich bin hellwach und dermassen konzentriert, dass ich gar keine Zeit habe, mir Gedanken darüber zu machen, ob schon wieder der Brandstifter am Werk war. Beim Brand des Bäumlihofs haben alle angepackt bis zur Erschöpfung. Ich war zuständig für eine Transportleitung. Insgesamt stand ich acht Stunden lang im Einsatz. So etwas schweisst zusammen. Doch am Montag muss ich dann wieder die volle Leistung bei der Arbeit bringen. Dort interessiert es niemanden, ob ich am Wochenende wieder stundenlang ein Feuer löschen musste. Und wenn es während meiner Arbeitszeit brennt, kann ich nicht jedes Mal alles stehen und liegen lassen.

Ich erfuhr erst abends aus den Medien, dass auch beim Bäumlihof der Brandstifter das Feuer gelegt hatte, zum 28. Mal in den letzten drei Jahren. Verrückt. Ich war geschockt. Wer ist fähig, so viele Menschenleben in Gefahr zu bringen? Vor drei Jahren haben noch Garten-, WC-Häuschen und Schöpfe gebrannt. Jetzt aber sind es Kellerabteile und ein kompletter Hof.

Sähe der Brandstifter, wie viel Leid er den Betroffenen zufügt, müsste er aufhören. Einige stehen nur noch stumm in ihren Brandruinen, so tief sitzt der Schock. Andere geraten ausser sich wie der Besitzer eines Schopfes, der in die Flammen wollte, um seine Zuchtchüngel zu retten. Die Tiere sind seine Leidenschaft, sein Leben. Ich musste ihn zurückhalten und beruhigen, damit er sich nicht selbst in Gefahr brachte. Ausgerüstet mit Atemschutzgeräten, konnten wir die Tiere schliesslich unversehrt bergen. Sieht mich der Besitzer heute auf der Strasse, dankt er mir noch immer.

Oft schäbig behandelt
Das tut gut, denn wegen der Brandserie werden wir oft schäbig behandelt. Der Brandstifter sei ja sowieso in den Reihen der Feuerwehr zu finden, bekommen wir immer wieder zu hören. Das tut weh. Denn wir geben alles bei unseren Einsätzen, riskieren sogar mitunter Kopf und Kragen.

Am Anfang der Brandserie machte sich zwar auch innerhalb des Korps Misstrauen breit. Doch inzwischen kann ich mir nicht mehr vorstellen, dass der Brandstifter einer von uns sein könnte. Ich muss meinen Kameraden vertrauen können, sonst können wir nicht mehr zusammenarbeiten. Ein Einzelner schafft es gar nicht, einen Brand unter Kontrolle zu bringen. Wir sind aufeinander angewiesen, und da haben Zweifel keinen Platz.

Freiwilliges DNA-Profil
Es ist verrückt, aber ich selbst könnte auch verdächtigt werden. Bei vielen Bränden, die der Brandstifter gelegt hat, stand ich im Einsatz. Ich habe nichts zu verstecken. Deshalb bin ich auch froh, dass vor kurzem alle Angehörigen der Feuerwehr freiwillig ihr DNA-Profil für die Untersuchungsbehörden registrieren liessen.

Als Kind hat mich mein Vater auf Ausflüge mit seinen Feuerwehrkollegen mitgenommen. So bin ich hineingewachsen. Inzwischen ist die Riehener Feuerwehr für mich wie eine Grossfamilie. Seit 17 Jahren bin ich nun selbst dabei. Nach 15 Jahren bekam ich zum Dank ein Feuerwehrbeilchen, das jetzt in meiner Vitrine liegt. Mit einem solchen kleinen Beil kämpfen wir uns jeweils am Brandobjekt den Weg frei.

Schon als Kind wurde ich Zeuge von schweren Unfällen. Das jagte mir eine solche Angst ein, dass ich jeweils davonrannte. Um meine Angst zu überwinden, absolvierte ich später einen Nothelferkurs. Inzwischen helfe ich gerne, wo ich kann. Auch bei den Heimspielen des FC Basel bin ich fast immer als Samariter mit von der Partie.

Ich halte nicht viel vom politischen Vorstoss, eine Bürgerwehr aufzustellen, um den Brandstifter zu schnappen. Wer soll das riesige Gebiet der Gemeinde kontrollieren? Wer bezahlt die Einsätze? Wir von der Feuerwehr sind schon ausgelastet. Ich hoffe, dass er bald geschnappt wird und wir wieder einen normalen Dienst leisten können. Und ich wünsche mir, dass die Bevölkerung zwar aufmerksam bleibt, gleichzeitig aber wieder zur Ruhe kommt, damit auch wir wieder einmal durchschlafen können.