Der Tag wird zur Nacht, am schwarzen Himmelszelt treten Planeten und Sterne wie leuchtende Knöpfe hervor. Ich sinke in die Knie und weine.

Das war 1994 in Brasilien - meine erste totale Sonnenfinsternis. Seither entgeht mir keine mehr. 23 habe ich auf der ganzen Welt gesehen: zehn totale, acht ringförmige und fünf partielle. Meine Reisen in die vom Mondschatten verdunkelten Erdteile führten mich in den letzten 13 Jahren von Brasilien über Ecuador in die USA. Von dort in die Karibik, auf die Osterinsel und die Insel Ascension, hinunter nach Sambia, in den Osten nach Ägypten, Australien und Malaysia.
Wendepunkt war die Mongolei 1997, als ich begann, mein grösstes Abenteuer zu planen: die Reise in die Antarktis. 2003 ­bestieg ich einen russischen Eisbrecher, um am Südpol Augenzeuge einer Sonnenfinsternis zu werden. «Wenn ich das schaffe, kann ich alles schaffen», dachte ich im Nachhinein. Und deshalb will ich nächstes Jahr zum Nordpol.

Es ist ein absolutes Privileg, eine tota­le Sonnenfinsternis zu erleben. Denn das Gebiet, wo man die Totalität erleben kann, bedeckt gerade mal einen Tausendstel der Erdoberfläche.

Rechtsumkehrt und weg!
In der Schweiz und im benachbarten Ausland jage ich Gewittern hinterher. Interessante Wolkenstrukturen, peitschender Regen, Hagel und krachende Blitze sorgen für die nötige Adrenalinausschüttung: Mulmig wurde es mir, als ich in Deutschland ein Gewitter erlebte, das innert zwei Stunden 200'000 Blitze niederschleuderte.

Jeweils im Frühling wird in den USA die sogenannte Tornado Alley - Okla­homa, Kansas und Texas - von Wirbelstürmen heimgesucht. Für mich bedeutet das Jagdsaison. Jedes Jahr nehme ich zusammen mit Gleichgesinnten an der wilden Hatz auf Tornados teil. Wer auf Safari geht, macht Jagd auf Trophäen. Bei mir ist das genau gleich. Schiesse ich ein tolles Bild, fühle ich tiefe Befriedigung.

Tornados sind nur bei schlechter Sicht gefährlich: in der Nacht und bei starkem Regen. Dieses Jahr habe ich einen ­besonders kräftigen Sturm erwischt. Wir ­waren in dunkler Nacht unterwegs, das ­Gewitter lag mit viel Blitzaktivität links vor uns, von rechts wehte starker Wind. Wir orientierten uns anhand eines Radarbilds, auf dem der Sturm und die GPS-Position unseres Wagens zu sehen waren.

Was wir zu wenig beachteten: Das Radarbild wird nur alle sechs Minuten ­erneuert, steht also still, während sich der Wagen auf dem Bild weiterhin bewegt. Als das Radar-Update folgte, war nichts mehr wie vorher. Der Wind kam nicht mehr von rechts, sondern von vorne. In unserem ­Rücken hatten wir die Blitzaktivität, die nun plötzlich explodierte. Und: Das Radarbild zeigte einen Haken im Gewitter, ein klassisches Warnsignal, dass gleich ein Tornado losgeht. Das Laub am Boden rotierte bereits, als wir in der Dunkelheit voll auf die Bremsen stiegen, rechtsumkehrt machten und aus der Gefahrenzone rasten!

Den Ruf des Jägers verteidigt
Mittlerweile habe ich mir unter «Eclipse-Chasern», den Jägern von Sonnenfinsternissen, einen Namen gemacht. Im Mai 2003 gab es eine Sonnenfinsternis in ­Island, aber zu dieser Zeit jage ich doch Tornados in den USA. Ich wollte nicht nach Island, durfte mir die Sonnenfinsternis aber nicht entgehen lassen. Mit etwas Kreativität konnte ich meinen Ruf verteidigen: Ich wusste, dass die Sonnenfinsternis bei Sonnenaufgang stattfand. Man würde sie vom Flugzeug aus sehen können. Also buchte ich für meinen Rückflug aus den USA eine Maschine, die sich um 6.00 Uhr über Island befand, und genoss die Sonnenfinsternis von meinem Fensterplatz aus. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, Ruf verteidigt!

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«Du bist unsterblich», sagte mir jemand, als er erfuhr, dass ich eines der seltensten Ereignisse überhaupt mit eigenen Augen gesehen habe. Am 23. April 1998 wurde ich Zeuge, wie auf Ascension, einer kleinen vulkanischen Insel im Südatlantik, der Mond gleichzeitig Venus und Jupiter verdeckte. Dass zwei Planeten in der Nacht zur selben Zeit vom Mond überlagert werden, ist extrem selten. Die einzige Fotografie dieses Ereignisses stammt von mir. Ich habe das Bild an «National Geographic» verkauft. Die Anreise war ein Abenteuer: Die einzige Flugverbindung auf die Insel betrieb die Royal Air Force. Nach etwas Korrespondenz erhielt ich als Privatperson tatsächlich einen Brief der britischen Streitkräfte mit einem militärischen Flugticket. Also flog ich nach London, fuhr per Zug zum Luftwaffenstützpunkt an der Küste und flog von dort zusammen mit drei weiteren Auserwählten und 100 britischen Soldaten auf das verlassene Eiland.

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Das Geld für meine Reisen verdiene ich als Chauffeur. Ich arbeite für einen Limousinenservice, werde nicht schlecht bezahlt und habe mitunter eine illustre Klientel: Elle Macpherson, «Magic» Johnson, Sharon Stone und König Juan Carlos von Spanien sassen schon in meinem Wagen. Letzterem hatte die Kontaktperson erzählt, dass ich Sonnenfinsternisse jage. Als ich ihn in einem Restaurant abholte, eilte er zum Auto, riss die Türe auf und sagte: «Alors, les éclipses?!»