Ein bisschen gescheiter bin ich jetzt vielleicht schon. Denn nach den drei Vorlesungen an der Kinder-Uni in St. Gallen weiss ich nun, woher das Geld kommt. Das Märchen vom Goldesel, das Franz Jaeger gleich am Anfang der ersten Lektion kurz auf der Leinwand vorstellte, war mir bekannt. Doch dass bei einem Esel hinten Geldstücke herauskommen, habe ich natürlich nicht geglaubt.

Bisher hatte ich mir vorgestellt, dass verschiedene Firmen mit speziellen Maschinen diese Nötli drucken. Franz Jaeger erklärte uns, dass der Staat die Notenbank damit beauftragt.

An der Kinder-Uni erfuhr ich auch, dass es seit der Steinzeit eine Art Geld gibt. Damals machte man Tauschhandel, beispielsweise mit Fellen, später auch mit Edelsteinen und Gold. Auf die Münzen wurden Köpfe von Königen und Staatsmännern geprägt. Wer auf unserem Fünfliber und dem Zweifränkler abgebildet ist, kann ich nicht sagen.

Zutritt für Erwachsene verboten
Das Ganze war spannend und machte Spass. Im grössten Hörsaal der Uni sassen 650 Kinder. Um uns nicht zu verlieren, blieben wir sieben Schüler aus der fünften Klasse des Schulhauses Haslach in Au SG immer beisammen. Ich war der einzige Bub in der Gruppe. Unsere Lehrerin, Frau Bartolini, hatte die Anmeldung und die lange Bahnfahrt organisiert. In einem Nebenraum konnte sie die Lektionen am Bildschirm mitverfolgen. Für Erwachsene war der Zutritt zum Hörsaal verboten.

Auf jedem Pult lagen Block und Bleistift. Ich machte aber keine Notizen. Der Besuch war ja freiwillig, und so war nachher für die Schule auch keine Arbeit vorgesehen. Dass beim zweiten Mal einige Kinder aus den Notizzetteln Papierflieger falteten und sie durch die Luft schossen, störte mich. Aufsichtspersonen wiesen sie dann zurecht – auch jene, die schwatzten. Am Schluss klatschte ich mit allen anderen. Wir bekamen noch ein Zertifikat. Das hängt jetzt zu Hause in meinem Zimmer. Die Legi habe ich auch aufbewahrt.

Franz Jaeger kannte ich schon aus Heftli und Zeitungen. Ich las, dass er Wirtschaftsprofessor an der Uni St. Gallen ist und eine zehnjährige Tochter hat. Wenn ich ihm jetzt einen Brief schreiben müsste, dann würde der Inhalt ungefähr so lauten: «Lieber Herr Jaeger, es hat mir gut gefallen. Das Tollste war, dass Ihr Gesicht plötzlich ganz gross auf der Leinwand vorne erschien.» Das war wirklich lustig. Zuerst merkte der Professor gar nicht, warum wir alle lachten. Nachher lachte er mit.

Ich habe noch viele Fragen parat
Angemeldet habe ich mich, weil ich einmal sehen wollte, was an einer Uni alles läuft. Als Zwischenverpflegung hatte ich einen Riegel dabei. Wir gingen vom Bahnhof St. Gallen aus zu Fuss und mussten unzählige Treppen zum riesigen Gebäude hochsteigen. Überall standen eine Menge Leute herum. Ob ich selber auch einmal studieren möchte, weiss ich noch nicht. Vielleicht schon. In der Schule bin ich in Mathematik gut, in den anderen Fächern etwas weniger. Weil ich früher mit meiner Familie in Afrika und Belgien lebte und eine französische Schule besuchte, spreche ich auch gut Französisch.

Für die Kinder-Uni habe ich noch viele Fragen parat. Warum die Sterne nicht vom Himmel fallen, kann ich mir selber gut vorstellen: Sie fliegen wie die Astronauten durchs Weltall. Aber wer hat das Auto erfunden? Wer das Velo oder den Fussball? Das interessiert mich weit mehr.

Über Geld weiss ich jetzt wirklich besser Bescheid. Dass es andere Währungen gibt, war mir klar. In Belgien beispielsweise bezahlen meine Eltern mit Euro. Um den Betrag in Franken umzurechnen, zählt man die Hälfte dazu.

Natürlich wäre ich gerne einmal reich. Aber ich bin lieber gesund als Millionär. Mit meinem Taschengeld von 20 Franken im Monat bin ich zufrieden. Mehr brauche ich nicht. Und meine Eltern kontrollieren auch nicht, wie viel ich ausgebe. Je nach Lust und Laune spare ich und kaufe mir dann etwas, zum Beispiel ein neues Modellauto für meine Sammlung. Das Stück kostet 30 Franken. Von den 20 Exemplaren zu Hause bekam ich einige auch geschenkt. Ich finde es richtig, dass meine jüngere Schwester weniger und mein älterer Bruder mehr Sackgeld bekommen als ich.

Kindern ohne Geld sollte man helfen
Den Kindern, die ohne Geld leben und hungern müssen, sollte man helfen. Man kann Ärzte hinschicken und ihnen Medikamente liefern. Einem Bettler auf der Strasse würde ich fünf Franken geben, damit er sich etwas zu essen kaufen kann. Vielleicht hat er ja bei einem Unfall ein Bein verloren und ist jetzt behindert.

Ich schätze, dass bei uns 100 bis 150 Menschen kein Zuhause haben und auf der Strasse leben. Ich bin aber selber noch keinem Obdachlosen begegnet. Häufiger sieht man Strassenmusikanten, die für Geld spielen.

Dass gewisse Leute eine Bank überfallen, um sich Geld zu beschaffen, finde ich nicht gut. Stehlen auch nicht. Deshalb sind ja in den Läden auch Überwachungskameras installiert.

Was ich zum Schluss noch sagen möchte? Hm, hm… dass mir Geld eigentlich nicht so wichtig ist. Ich wünsche mir, dass meine Familie und alle meine Freunde gesund bleiben. Und ich auch.

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