Fürs World Economic Forum in Davos, das WEF, reisen die VIPs aus Wirtschaft und Politik gleich in Scharen an. Da hab ich schon mal Bill Gates von seinem Privatjet abgeholt, ihn durch die Zollkontrolle geführt und zur wartenden Limousine bei der Flughafenvorfahrt begleitet. Das ist unsere Aufgabe bei Jet Aviation am Flughafen in Kloten, nicht nur während des Forums, sondern das ganze Jahr über.

Der Kontakt mit Gates beschränkte sich auf ein paar Höflichkeitsfloskeln. Tele Züri hat das damals spitzgekriegt und mich flugs als «persönlichen Gepäckträger» des Software-Milliardärs bezeichnet. Gesprächiger als Gates war Carly Fiorina, die ehemalige CEO von Hewlett-Packard: Sie sprach vom WEF bis zum Wetter über alles, was in der kurzen Zeit möglich war.

Unser Team kommt in Kontakt mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten, die am WEF teilnehmen. Aber besonders Spezialisten aus der Informationstechnologiebranche sind überdurchschnittlich vertreten. Die meisten dieser IT-Business-Leute kommen aus den USA, Indien und Europa angeflogen. Auch Regierungsmitglieder aus Entwicklungsländern und Industriestaaten treffen fast gleichzeitig in Kloten ein - die Mächtigen aus Nord und Süd präsentieren sich auf der kleinen Fläche des Rollfeldes. Unsere Betreuung ist bei allen die gleiche.

Nichts von Kaviar, Pelz und St. Moritz
Früher hat Jet Aviation rund zehn Prozent des Jahresumsatzes während des WEF gemacht. Heute ist es noch rund die Hälfte, also etwa fünf Prozent. Zwar reisen immer mehr WEF-Teilnehmer mit dem Privatjet an, aber der gesamte Privat- und Geschäftsluftverkehr ist kontinuierlich gewachsen, was unseren Umsatz während des Jahres stark erhöht.

Privat- und Geschäftsflugzeuge bedeuten längst nicht mehr Kaviar, Pelz und St. Moritz. Das Flugzeug ist zum Arbeitsplatz geworden. Ein Manager, der mit einigen Mitarbeitern die Niederlassungen des Konzerns in der ganzen Welt besucht, muss die Reisezeit für die Arbeit nutzen. Acht- bis zehnplätzige Jets bilden das breite Mittelfeld der Privatflugzeuge. Die einmotorigen Propellermaschinen haben bereits Seltenheitswert. Absolute Ausnahmeerscheinungen sind die privaten Jumbo-Jets, die durchwegs aus den USA oder dem arabischen Raum stammen.

Natürlich kann ich auch ab und zu einen Blick in einen Privatjet werfen; mit einigen Piloten verbindet mich nach Jahren der Zusammenarbeit eine Freundschaft. Die Arbeitsplätze verfügen über alle Kommunikationsmittel, die den Kontakt aus der Luft mit Firmen rund um die Welt gewährleisten. Der Wohn- und Schlafbereich ist mal zweckmässig, mal luxuriös. Doch mich interessieren die Menschen mehr als die Technik. Ich komme aus dem Hotelfach, arbeitete primär in Luxushotels. Gute Umgangsformen sind mir vertraut; ich habe Spass daran, den VIPs einen guten Service zu bieten.

Die Namen unserer Kunden sind uns meist unbekannt - abgesehen von jenen, die wir schon oft betreut haben. Promis aus dem Film- und Showbusiness erkennen wir natürlich, Leute wie Julio Iglesias, Barbra Streisand, Madonna oder Richard Gere. Die meisten von ihnen sind pflegeleicht. Probleme gibt es höchstens intern: Welche unserer Mitarbeiterinnen darf Richard Gere betreuen?

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Schneefall kann die Gemüter reizen
Einige VIPs dürfen wir nicht mit ihrem Namen begrüssen - aus Sicherheitsgründen. Dazu gehören auffallend viele Personen aus dem arabischen Raum. Einige lassen sich von zehn bis zwölf Bodyguards beschützen. Komplett anders erlebte ich den Schweizer Bob Lutz, damals oberster Chef von General Motors. Der bummelte vergnügt, die Zigarre im Mund, zur Vorfahrt, wo er auf seinen Wagen wartete - von Bewachern keine Spur.

Die Sprachbarrieren überwinden wir leicht. Das Business spricht in der ganzen Welt englisch - meine Muttersprache. Chinesen und Araber reisen mit «Vorspann», wie wir das nennen. Diese Vorhut checkt alles ab - so dass bei Ankunft des Chefs nichts schiefgehen kann. Reisen staatliche Funktionäre, so übernimmt die Botschaft in der Schweiz diese Aufgabe.

Die Arbeit macht natürlich mehr Spass, wenn die Gäste uns sagen, dass wir einen guten Job machen. Kritik müssen wir einfach einstecken - auch wenn sie nicht gerechtfertigt ist. So reagieren Leute aus wärmeren Regionen schon mal gereizt, wenn Schnee fällt und sich Ankunft oder Abflug verzögern - was während des WEF nicht so selten der Fall ist.

Zu einer öffentlichen Person bin ich in meinem Job ein zweites Mal geworden, nämlich als Bill Clinton am WEF teilgenommen hat. Da meldete sich am Telefon ein gebrochen Deutsch sprechender Mann. «Isch Scheisse, muess ich Flugzeug vom Clinton putze. He Mann, du häsch Schlüssel, la mich in Jet!» Ich weigerte mich standhaft, ihn einzulassen - peinlich nur, dass ich dabei seine Sprache übernommen habe, so im Stil: «Begriif doch Mann, ich chan dich nöd in Jet vom Clinton inela!» Das hörte halb Zürich - es war ein Jux-Anruf von Radio Z...

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