«Drämmli, uf di wart i nämmli.» An den Schlussreim des legendären «Schnitzelbanggs» wird die Kundschaft der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) nur allzu oft erinnert. Das Tram will und will nicht kommen. Häufigster Grund: Rote Ampeln und gestaute Autos hindern das Tram am fahrplanmässigen Eintreffen.

Was die wenigsten wissen: Die BVB werden für die Behinderungen durch den Privatverkehr aus der Staatskasse entschädigt. Fast neun Millionen Franken gab es dafür im Jahr 2000. Grundlage dieser Entschädigung ist ein Passus aus dem BVB-Organisationsgesetz von 1971. «Zur Abgeltung gemeinwirtschaftlicher Leistungen und unternehmensfremder Lasten leistet der Kanton jährlich ins Budget einzufliessende Beiträge», heisst es dort. Die Störungen durch den Privatverkehr gelten als «unternehmensfremde Last».

Früher erhielten die BVB dafür eine Pauschale in der Höhe von 1,5 Millionen Franken. Doch 1996 hat die Basler Regierung beschlossen, diesen Betrag jedes Jahr genau berechnen zu lassen. Konkret: Die BVB vergleichen die tatsächliche Fahrzeit mit der theoretisch möglichen. Braucht es ein zusätzliches Tram, berechnen die BVB 1,2 Millionen Franken, ein Bus kommt etwas günstiger. Total ergibt das 8,9 Millionen Franken; pro gefahrenen Kilometer umgerechnet fast fünfzig Rappen.

Die Zeche zahlt der Kunde
Ziel der Verspätungssubventionen: Der Kanton Basel-Stadt soll dazu motiviert werden, mit baulichen und verkehrsplanerischen Massnahmen die Behinderungen zu minimieren. Doch das Gegenteil ist der Fall: Seit der Einführung der neuen Berechnungsmethode vor fünf Jahren ist die Entschädigung um 900'000 Franken oder rund zehn Prozent gestiegen. Und fürs Jahr 2001 dürfte der Betrag noch höher ausfallen. «Eigentlich müsste es ja umgekehrt sein», sagt BVB-Sprecher Pius Marrer.

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Den tatsächlich «Geschädigten», den wartenden Tram- und Busbenutzern, bringen die Millionen aus der Staatskasse jedenfalls nichts. Vielmehr zahlen sie gleich doppelt. Ein erstes Mal mit ihrem Fahrschein oder Abo und ein zweites Mal mit der Verspätungssubvention. Denn die Behinderungsentschädigung stammt aus den allgemeinen Steuergeldern. Und von den angeblich notwendigen zusätzlichen Trams merken sie nichts. Im Gegenteil: Der frühere Sechsminutentakt zu den Spitzenzeiten wurde 1999 aufgehoben.

Die Basler Tram-Behinderungssubventionen sind wohl ziemlich einmalig. Zwar gab es in Bern vor langer Zeit ähnliche Entschädigungen, allerdings in viel kleinerem Umfang. Die Zürcher jedenfalls staunen über die Basler. Dazu Andreas Uhl, Pressesprecher der Zürcher Verkehrsbetriebe: «Eine solche Subvention wäre bei uns politisch nicht durchsetzbar.» Der Tramführer und Stadtratskandidat der Alternativen Liste, Peider Fili, würde eine Entschädigung zwar begrüssen, macht sich aber keine Hoffnungen. Sein Gegenvorschlag, um lästige Autos zu verscheuchen: «Man sollte vor jedes Tram eine Art Fliegenklappe anbringen.»

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In Basel selbst scheint der Millionensegen für die BVB niemanden zu stören. Die einzige Kritik kommt von Seiten der SVP. Für Grossrat Kurt Bachmann dient die Subvention vor allem dazu, das Riesendefizit der BVB zu verschleiern. Und ausserdem: «Wenn man genau hinsieht, sind es die Trams selbst, die sich gegenseitig am meisten behindern.»