Für die 85-jährige Doris Hertner ist der Fall klar: «Die Steckborner Vormundschaftsbehörde hat mich entmündigt, damit die Gemeinde an mein Millionenvermögen kommt.» Mit dem Geld wollte die Steckborner Stiftung Turmhof das örtliche Wahrzeichen, einen mittelalterlichen Turm, zu einem Kulturzentrum ausbauen. Doch die Seniorin hatte ihr Testament abgeändert und ihr ganzes Vermögen - statt der Stiftung - der Tochter überschrieben.

Der Beobachter hatte den Steckborner Skandal letzten November publik gemacht: Vertreter von Vormundschaft und Gemeinde hatten eine regelrechte Jagd auf die Millionen von Hertner eröffnet. Dies ging so weit, dass der örtliche Notar die betagte Frau ein vorformuliertes Papier unterzeichnen liess, in dem sich diese selbst entmündigte. Seither hat sie einen von der Gemeinde gestellten Vormund.

«Gestützt auf vage Akten»
Doris Hertner und ihre Tochter reichten gegen die Entmündigung beim Departement für Justiz und Sicherheit des Kantons Thurgau Rekurs ein, der jetzt abgewiesen worden ist. Departementschef Claudius Graf-Schelling erachtet in seinem Rekursentscheid das Vorgehen der Behörden als korrekt: Die Vormundschaft sei trotz formellen Verfahrensmängeln «zu Recht errichtet» worden. Hertner sei aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht in der Lage, ihr beträchtliches Vermögen selbst zu verwalten.

Sie sei dazu nie angehört worden, kontert Hertner, die den Entscheid anfechten will. «Das Departement hat sich auf vage Akten und Ansichten Dritter gestützt. Ich verlange eine mündliche Verhandlung.» Zudem sei ihr Gesundheitszustand gar nicht so schlecht. Es seien nie Gutachten zu den angeblichen Diagnosen gemacht worden. Am wichtigsten jedoch sei ihr, noch vor dem Tod Gerechtigkeit zu erfahren. «Ich möchte nicht als Mündel, sondern als freier Mensch sterben.»

Anzeige