Keine Packungsbeilage wurde so oft zitiert wie diese. Eine «Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls», «innere Festigung», «weitgehende Überwindung jeglicher Fremdheit» verspricht der Prospekt von Patrio-Tonin depot. Die schwarz-roten Kapseln sind rezeptfrei. Sie werden bereits an Kiosken angeboten. Was die meisten Konsumenten nicht wissen: Ein Rezept, wie die zahlreichen Nebenwirkungen zu kontrollieren sind, gibt es nicht.

Die Angehörigen von Heiner L. (Bild) aus P. wandten sich Mitte Juli letzten Jahres an den Beobachter. Aus dem weltgewandten, fröhlichen Familienvater und Geschäftsmann sei ein eigensinniger Kauz geworden; er verlasse kaum mehr das Haus; seit Wochen spreche er reines Althochdeutsch. Beobachter-Abklärungen ergaben, dass es sich bei Heiner L. um einen regelmässigen Konsumenten von Patrio-Tonin handelte. Über drei Jahre hatte er die verheissungsvollen Kapseln zu sich genommen. Die Symptome haben sich in den letzten acht Monaten drastisch verstärkt: Heiner L., mittlerweile leicht erregbar, soll heute «bei jeder sich bietenden Gelegenheit» den Bundesbrief zitieren. Die Angehörigen sind ratlos.

Die Fallgeschichte ist bestens dokumentiert dank dem Beobachter. Mitte Januar hat L. nun Klage gegen den Hersteller des Präparats eingereicht. Es darf als erwiesen gelten, dass das Risiko-Nutzen-Verhältnis von Patrio-Tonin depot in einem krassen Missverhältnis steht. Der Prozess wird mit Unterstützung des Beobachters geführt.

Anzeige