Katharina Dietl wird den 9. August 2000 nicht so schnell vergessen: Die Filialleiterin einer Frauenfelder Bäckerei wurde von zwei Polizisten in Zivil vom Fleck weg verhaftet, nach Bischofszell gefahren und kurzerhand in eine Zelle gesteckt. Die TV-Sendung «Quer» berichtete über diesen Fall von richterlicher Willkür, und auch der Beobachter setzte sich für Katharina Dietl ein.

Denn nicht etwa ein Gewaltverbrechen hatte den Bischofszeller Statthalter so richtig in Fahrt gebracht: Lediglich wegen einer angeblichen Falschaussage in einem Scheidungsprozess liess er Katharina Dietl verhaften, setzte sie zwei Tage in Untersuchungshaft und ordnete eine Hausdurchsuchung an. Beim Abschied musste Katharina Dietl sogar die Zelle im Bezirksgefängnis putzen.

Sie wehrte sich gegen diese Schikane und reichte Klage ein. Nun hat das Thurgauer Obergericht zugunsten der Bürgerin entschieden: Die Verhaftung am Arbeitsplatz, Untersuchungshaft und Hausdurchsuchung seien nicht nur unverhältnismässig, sondern ganz klar rechtswidrig gewesen.

Für das erlittene Unrecht erhält Katharina Dietl eine kleine Genugtuung. Sie ist froh über den Entscheid: «Ich bin beruhigt und hoffe, dass die Behörden in Zukunft vorsichtiger mit einem umgehen.»

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