Zwei Paar Hosen und zwei T-Shirts mit dem Firmenlogo: Das ist alles, was den 260 Angestellten der Druckerei Weber Benteli AG in Brügg bei Biel von ihrem bisherigen Arbeitgeber bleiben wird. Die neuen Kleider für die Belegschaft gabs Anfang November von der Geschäftsleitung, den blauen Brief am Ende des Monats vom Konkursamt. Seit Montag, 30. November, 10 Uhr, stehen die Maschinen in der bislang zweitgrössten Akzidenzdruckerei der Schweiz still. Den betroffenen Druckern bleibt nur der Gang zum regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (siehe Artikel zum Thema «RAV: Wo die Krise Arbeit macht»).

Eine Beteiligung der Chefs, die keine war

Dabei hatte CEO Martin Brawand noch im April dieses Jahres Zuversicht verbreitet. Damals war die Weber Benteli AG von ihrer Besitzerin, der deutschen Arques Industries AG, an die Investmentgesellschaft ValueNet Capital Partners mit Sitz in München verkauft worden. Deren Ruf ist alles andere als gut. Das deutsche Anleger-Magazin «Capital» bezeichnete beide Firmen erst kürzlich als «aggressive Freibeuter» und schrieb, die von Arques und ValueNet gekauften Firmen würden oftmals «regelrecht ausgeplündert». Da wirkte es für die Belegschaft beruhigend, dass die Mitglieder der Geschäftsleitung bereit waren, mit eigenem Geld einen Teil des Geschäftsrisikos mitzutragen, zumal Brawand im «Bund» zitiert wurde, es handle sich um einen «namhaften Betrag».

Jetzt zeigen Recherchen des Beobachters ein anderes Bild. Von einer Beteiligung des Managements an der Weber Benteli AG kann keine Rede sein. Stattdessen wurde den Managern schmackhaft gemacht, sich mit insgesamt 100'000 Franken an der Inline Consulting in Baar ZG zu beteiligen.Zwei Mitglieder der Geschäftsleitung bestätigen dies. Die erst 2008 gegründete Baarer Briefkastenfirma sollte nach dem Willen der ValueNet Capital dereinst einen Anteil von 15 Prozent an der Weber Benteli AG halten – als eine Art Beteiligungsvehikel für das Management.

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Dazu sei es jedoch nie gekommen, sagt ValueNet-Chef Andreas Lukic. Da man schon kurz nach der Übernahme der Weber Benteli mit einem «strategischen Partner» Gespräche über einen Verkauf geführt habe, habe man mit der Übertragung der Anteile noch zugewartet.

Ein Verkauf ist zweimal gescheitert

Mit dem Konkurs des Brügger Traditionsunternehmens dürften somit die Anteile der Manager an der Inline Consulting mehr oder weniger wertlos sein. Im Erfolgsfall jedoch, bei einem Verkauf der Druckerei oder deren Liegenschaften, hätten die Bosse kräftig abkassiert. Allein den Wert der Liegenschaften schätzen Kenner auf rund 20 Millionen Franken – womit drei Millionen auf das Konto der Inline Consulting (und damit der Manager) geflossen wären.

Beim «strategischen Partner», mit dem man Gespräche über einen Verkauf führte, handelte es sich um die Grossdruckerei Ringier, wie mehrere Quellen bestätigen. Im Rahmen einer «Due Diligence»-Prüfung wurde dem Konkurrenten sogar ein vertiefter Blick in die Buchhaltung gewährt – worauf sich dieser nach mehrmonatigen Verhandlungen zurückzog. Einem weiteren Interessenten, dem französischen Druckereiunternehmer Pascal Pluchard, der die Weber Benteli AG zusammen mit dem ehemaligen Weber-Patron André Ducommun übernehmen wollte, wurde die Herausgabe einer konsolidierten Bilanz aber verweigert. So zerschlug sich eine realistische Option, 260 Arbeitsplätze noch zu retten.

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So oder so werden die verantwortlichen Mitglieder der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats in den kommenden Monaten noch einiges zu erklären haben. Die Unterlagen zum Beteiligungsvehikel Inline Consulting sind beim Konkursrichteramt Biel deponiert, ebenso alle übrigen Geschäftszahlen. Und laut dem Berner «Bund» soll sich dort bereits eine ehemalige Buchhalterin der Weber Benteli gemeldet haben, die einvernommen werden möchte.