Mitte Juli hatte das Spital einen entsprechenden Operationsstopp verfügt (siehe Artikel «Kinderspital Zürich stoppt Beschneidung»). Hintergrund war ein Urteil des Kölner Landgerichts, das die Beschneidung von Jungen als strafbare Körperverletzung wertete. Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit seien höher zu werten als religiöse Traditionen. Es folgten intensive Diskussionen, international war insbesondere aus jüdischen Kreisen Empörung zu vernehmen.

Schriftliche Bestätigung beider Elternteile

Das Urteil verunsicherte nicht nur Ärzte in Deutschland, sondern offensichtlich auch Schweizer Mediziner. Schliesslich droht auch ihnen, zumindest in der Theorie, strafrechtliche Verfolgung. Sowohl ein Beitrag in der juristischen Fachzeitschrift «Forum Poenale» wie auch der leitende Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich kamen zum Schluss, dass die Beschneidung unmündiger Buben, immerhin ein irreversibler Eingriff, den Straftatbestand der einfachen Körperverletzung erfülle. Allerdings habe Gesellschaft, Kultur und Politik diese Praxis bislang akzeptiert, weshalb eine Anklage gegen einen Arzt unwahrscheinlich sei.

Die sorgfältige Prüfung sieht vor, dass wenn möglich auch der Wille des Kindes in den Entscheidungsprozess einfliessen soll. Zudem müssen beide Elternteile ihr Einverständnis für den Eingriff schriftlich bestätigen.