PRO

Dominique Strebel
CONTRA
Christoph Schilling
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Wieso nur diese ganze Empörung über den Vorschlag des Bundesrats für eine «geräteunabhängige Radio- und Fernsehgebühr»? Wollen wir unserer Regierung tatsächlich verbieten, aus den Fehlern anderer zu lernen? Zeitungen und Zeitschriften haben massiv an Umfang und Gehalt verloren, weil Gratiszeitungen und Internet «News» unentgeltlich bereitstellen. Das freut PR-Firmen, die zunehmend die Inhalte bestimmen.

Da lobe ich mir jeweils die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens oder das «Echo der Zeit» am Radio, die Themen kompetent aufbereiten – gebührenfinanziert. Ich geniesse auch die angenehm unaufgeregten Minderheitensendungen auf DRS 2. Kein durchgewummerter Mainstream. Deshalb zahle ich auch die Billag-Rechnung anstandslos – wie bereits über 90 Prozent der Privatpersonen in der Schweiz.

Die Billag gehört ins Museum
Die alte Flimmerkiste und der UKW-Empfänger haben aber zunehmend ausgedient. Radio hört man ab iPhone, und fern schaut man per Internet. Ob jemand tatsächlich Radio hört oder TV glotzt, wird damit praktisch unkontrollierbar. Die ollen Billag-Kontrolleure gehören also ins Museum und damit auch gleich die ganze Billag. Die Ersatzlösung ist klar: Weil wir fast alle entweder einen Fernseher, ein Radio, ein iPhone oder einen Computer mit Internetanschluss haben, macht es Sinn, von allen die Radio- und Fernsehempfangsgebühr zu erheben.

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Würde man das nicht tun, stiege der Kontrollaufwand wohl in ungeahnte Höhen. Oder wollen Sie einen Billag-Kontrolleur, der im Verlauf Ihres Browsers überprüft, ob Sie letzthin Giacobbo/Müllers «Late service public» geschaut haben? Darum ganz weg mit den TV-Schnüfflern! Dann zahlen wir alle weniger als die heutigen 462 Franken, «Rundschau» und «Echo der Zeit» können weiterhin gegen die Gratisnachrichten-Schwemme ankämpfen und Minderheitenprogramme den Mainstream stören. Ob mit solchen Gebühren auch die 120. Staffel von «Music-Star» finanziert werden soll, ist mehr als fraglich. Aber das können wir dann als Zwangsgebührenzahler auch umso eindringlicher ablehnen.

Apropos Zwangsgebühr: Dass wir alle Dinge zwangsfinanzieren, die für die Gesellschaft als Ganzes nützlich sind, die wir aber nicht alle nutzen, ist üblich, seit so etwas wie der Staat überhaupt erfunden wurde. Oder wann sind Sie das letzte Mal in die staatlich mitfinanzierte Oper gegangen, wann auf die kommunale Kunsteisbahn, wann ins von allen Bürgern bezahlte Fussballstadion? Eben.

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RTEmagicC_Schilling_01.jpg.jpgGeistig ernähre ich mich von Büchern, Zeitungen und vom Radio, für das ich jährlich eine Gebühr von 169 Franken entrichte. Das Fernsehen steht hingegen nicht auf meinem Speiseplan. Habs mir schon vor Jahren abgewöhnt. Die letzte Sendung war, wenn ich mich recht er­innere, ein «Tatort». Nun will Bundesrat Moritz Leuenberger mich zwingen, für etwas zu bezahlen, was ich nicht möchte.

Er begründet dies wolkig mit der «wichtigen Rolle» der SRG «in unserer Demokratie», dass sie nämlich «zur kulturellen Entwicklung sowie zur Integration in der Schweiz» beiträgt. Weil ich nicht fernsehe, kann ich mir den Luxus erlauben, mir dabei Leuenbergers Miene vorzustellen. Wahrscheinlich hat er verdruckst dreingeschaut, denn er glaubt ja wohl selber nicht, dass «Gesundheit Sprech­stunde» und Prostataprobleme zur Integration und kulturellen Entwicklung in der Schweiz beitragen. Oder ein Moneygirl. Und dass der Dokfilm «Das geheime Leben der Elefanten» unsere Demokratie fördert.

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Aus zwei Gründen bin ich gegen diese Zwangsgebühr, die eine versteckte Steuer ist. Erstens: Ich möchte zwischen Radio und Fernsehen wählen können. Es gibt ja immer noch genug Leute, die offenbar gern Gebühren fürs Fernsehen bezahlen. Ich bin froh, gibt es innerhalb des öffentlich-rechtlichen Systems wenigstens noch diesen Rest von Wett­bewerb. Doch statt Radio und Fernsehen gegeneinander antreten zu lassen, will man die beiden nun fusionieren, hört man. Eine affige Idee. Als ob Fernseh- und Radioleute gleich tickten, als ob man diese zwei Kulturen einfach so verschmelzen könnte. So ein Unsinn.

Unterhaltungsquark: Nein danke
Zweitens: Ich mag keinen
Luxusdampfer finanzieren. Das Schweizer Fernsehen ist adipös und braucht dringend eine Abmagerungskur. Ein öffentlich-rechtlicher Sender muss mir unabhängige Informationen liefern, damit ich mir als Bürger eine politische Meinung bilden kann. Ein kompak­tes Info-Schnellboot, ein Katamaran, würde völlig genügen. Dazu braucht es keinen Luxusdampfer mit einer Armada von Beibooten, die in jeden Hühnerstall hineinleuchtet.

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Vollends schleierhaft ist, was die sogenannte Grund­versorgung im Unterhaltungsbereich bedeuten soll. Von mir aus könnte man den Unter­haltungsquark den Privaten überlassen. Da soll der Markt entscheiden. Auch der zweite Kanal ist verzichtbar. Ein Kanal genügt: knappe Information, Ziehung der Lottozahlen, Wetterprognose. Sendezeit von 19 bis 22 Uhr. Der Rest ist Wieder­holung in der Endlosschlaufe. Garantiert halb so teuer.