Biogasanlage in der Landwirtschaft: lohnendes Geschäft dank Zusatzbonus vom Staat.

Das neue Biomasse-Kraftwerk Green Power Uri AG in Altdorf gilt als Vorzeigeprojekt: Hier sollen ab nächstem Frühjahr jährlich bis zu 5000 Tonnen Bioabfälle zu Strom, Wärme und Dünger verarbeitet werden. Das ist gut fürs Klima. Und weil der Bund erneuerbaren Strom fördert, soll sich die Anlage auch rechnen – sonst hätte man die fünf Millionen Franken nicht investiert, heisst es bei der Green Power Uri AG.

Ende September ist jedoch eine Mitinitiantin des Projekts ausgestiegen: Für die Gemeindewerke Erstfeld ist «die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben». Und: «Mittlerweile hat der Kampf ums Grüngut begonnen, was zu einem massiven Druck auf den Abnahmepreis für Garten- und Küchenabfälle führt.» Dieser ist neben den Einnahmen aus dem Stromverkauf der zweite Ertragspfeiler. Wollen alle Grüngut, sinkt der Preis, den die Verursacher von Bioabfällen bezahlen müssen.

Die Urner Anlage kann zwar während fünf Jahren von vertraglich zugesicherten 145 Franken pro Tonne Grüngüsel profitieren – sozusagen eine Subvention durch alle Urner, denn die Marktpreise liegen heute schon bei nur 80 bis 100 Franken. Im Kanton fallen bei Grüngutsammlungen maximal 2500 Tonnen pro Jahr an – halb so viel, wie die Anlage verwerten soll. Nach 2013 aber wird der Abnahmepreis neu verhandelt. Und da hat Green Power Uri schlechte Karten, denn in der Region sind grosse Biomasse-Anlagen in Planung. So will etwa die Swiss Farmer Power in Inwil über 60'000 Tonnen Biomasse aus der ganzen Zentralschweiz verwerten.

Altdorf und Inwil sind nur zwei Beispiele: Hunderte landwirtschaftliche und industrielle Vergärungsanlagen, Kompostierer, Abwasserreinigungs- und Abfallverbrennungsanlagen verwerten den Rohstoff. Allein im Dreieck Biel-Yverdon-Freiburg sind 16 neue landwirtschaftliche Biogasanlagen in Planung oder bereits im Bau. Sie sollen zehnmal mehr Energie produzieren als die drei bestehenden Anlagen.

Subventionen führen zu Biomasse-Boom

Dem Branchenblatt «Schweizer Bauer» schwant bereits Schlimmes: «Die Biomasse wird knapp, wenn alle Projekte verwirklicht werden.» Anders gesagt: Da Subventionen locken, werden wohl mehr Anlagen gebaut als nötig. Denn der Run auf Biomasse – von der Gülle bis zu Holz – ist staatlich gewollt. Das revidierte Energiegesetz verlangt, dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2030 um mindestens 5,4 Milliarden Kilowattstunden erhöht werden muss. Das entspricht etwa zehn Prozent des heutigen Stromverbrauchs von gut 57 Milliarden Kilowattstunden. Darum erhebt der Bund ab 2009 einen Zuschlag von 0,45 Rappen pro Kilowattstunde. Von den gut 260 Millionen Franken (Basis 2007), die die Stromkonsumenten bezahlen, erhalten die Biomasse-Verstromer maximal 30 Prozent.

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Im ersten Jahr werden rund 180 Biomasse-Anlagen von dieser «kostendeckenden Einspeisevergütung» profitieren. Und 20 weitere stehen auf der Warteliste. Speziell gefördert werden Biogasanlagen in der Landwirtschaft: Bauern erhalten bis zu 40 Rappen pro Kilowattstunde – fast doppelt so viel wie industrielle Verwerter.

Diesen Zusatzbonus für Bauern gibt es selbst dann, wenn bis zu 20 Prozent der Biomasse gar nicht aus der Landwirtschaft stammen. Die Mitbewerber befürchten nun Dumping bei den Abnahmepreisen, das sich die Bauern dank höherer Förderung ja leisten können. «Die Energieverordnung kann revidiert und die Höhe der Boni angepasst werden», heisst es dazu beim Bundesamt für Energie.

Fehlanreize provoziert die Einspeisevergütung auch für Abwasserreinigungsanlagen. Sie machen zusätzlich Kasse, wenn sie Bioabfälle annehmen, zu den Abwasserrückständen mischen und daraus subventionierten Strom produzieren. Zurück bleibt belasteter Klärschlamm, der verbrannt werden muss. Dabei gehen wertvolle Nährstoffe und organische Substanz verloren. Fazit: Nicht alles, was gut gemeint ist, kommt auch gut heraus.n