Bei den Impfgegnern steigt die Nervosität: Im November entscheidet das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET), ob Bauern ihre Rinder und Schafe auch kommendes Jahr gegen die Blauzungenkrankheit impfen müssen. «Falls es wieder ein Obligatorium gibt, müssen die Behörden mit breitem Widerstand rechnen», kündigt der Bündner Tumasch Planta an, dessen Schafe im Sommer eines Nachts von der Polizei von der Alp geholt, zwangsgeimpft und an einen geheimen Ort gebracht wurden (siehe Artikel zum Thema «Blauzungenimpfung: ‹Dann machen wir es illegal›»). «Viele Bauern, die das letzte Obligatorium noch duldeten, werden nicht zulassen, dass die Behörden ihre Tiere gegen ihren Willen impfen.»

Auch der Thurgauer Impfverweigerer Matthias von Euw kommt zum Schluss: «Die Gegnerschaft unter den Bauern ist angewachsen.» Vor allem Biobauern lehnten die Impfung ab, da deren gesundheitliche Unbedenklichkeit nicht erwiesen sei.

Unschöne Szenen vermeiden

Das BVET gibt sich durchaus gesprächsbereit. «Zurzeit ist nicht klar, ob die Impfung obligatorisch oder freiwillig sein wird», sagt BVET-Sprecherin Cathy Maret. «Wir führen Gespräche mit Landwirtschaftsverbänden und Kantonstierärzten.» Mehrere landwirtschaftliche Organisationen wie Bio Suisse fordern eine freiwillige Impfung, der Bauernverband bildet sich seine Meinung Mitte Oktober. Klar scheint: Falls es wieder zu einem Obligatorium kommt, will das BVET unschöne Szenen wie die Zwangsimpfungen vom vergangenen Sommer verhindern – laut Sprecherin Maret ist die «Impfverweigerer-Problematik Teil der Diskussion».