Wenn Kokain transportiert wird, wird es etwa eingebaut in Laptops, versteckt in Fruchtsaftpackungen, ein­genäht in Jeans oder Teddybären, verschweisst in Ananas- oder Bierdosen, verborgen in Kaffeelieferungen und immer wieder in Bananenschachteln. Etabliert haben sich in den letzten Jahren auch die sogenannten Bodypacker.

Nach Europa gelangt der Stoff meist in grösseren Mengen auf dem Schiffsweg. Vieles wird in Madrid oder Amsterdam in rund zehn Gramm schwere Fingerlinge gepackt, von Kurieren geschluckt und in die Schweiz gebracht. Per Telefon werden sie hier angewiesen, wo sie den Stoff einer Vertrauensperson übergeben müssen.

So auch im Fall eines Nigerianers, der neulich aufgrund einer Telefonüberwachung in Zürich von der Polizei abgefangen wurde. Noch vor dem Röntgengerät behauptete er hoch und heilig, kein Kokain in seinem Körper zu haben. Er sei aber «proppenvoll» gewesen, erzählt ein beteiligter Fahnder. Auf dem Röntgenbild habe man schliesslich 100 Fingerlinge entdeckt – gut ein Kilo Kokain.

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Das Bundesamt für Polizei spricht in Bezug auf Bodypacker allgemein von Kokain­schmugglern aus «Westafrika und der Dominikanischen Republik». Meh­rere Polizeiermittler aus verschiedenen Kantonen berichten aber übereinstimmend: Dieses Geschäft hätten zu 99 Prozent Nigerianer unter Kontrolle. Auch der Stras­senhandel sei fest in ihrer Hand.

Nigerianer stützten sich auf ein breites Netzwerk und tauschten immer wieder ihre Funktionen. Mal seien sie als Kuriere tätig, ein anderes Mal als Drahtzieher im Ausland, ein drittes Mal wiederum übernähmen sie die Ware in der Schweiz. Das erschwert die Arbeit der Ermittler: «Wir haben Mühe, in westafrikanischen Netzwerken übergeordnete Strukturen zu ­erkennen», sagt Bundeskriminalpolizist Roger Flury.

Meist sind die Kuriere gut instruiert, oft kennen ihre Auftraggeber die Schweiz aus eigener Erfahrung. Das schliessen Fahnder aus mehreren abgehörten Telefongesprächen eines nigerianischen Kokainlieferanten in Holland. Er zeigte sich mit den Schweizer Verhältnissen bestens vertraut. Vermutlich hatte er in der Schweiz gelebt und sich zum Drahtzieher in Holland hochgearbeitet.

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Andere nigerianische Drogenhändler sind auch dann noch im Geschäft, wenn sie bereits im Gefängnis sitzen. Obwohl in Strafanstalten Mobiltelefone nicht gestattet sind, verfügen zahlreiche Häftlinge über eines, wie ein ehemaliger Gefangener erzählt. Per Handy rekrutieren sie mitunter sogar von der Anstalt Witzwil aus neue Body­packer, wie ein Protokoll einer Telefonüberwachung belegt, das dem Beobachter vorliegt.

Von der Strafanstalt aus erteilte dieser Häftling einem Kollegen in Nigeria eine eigentliche Lehrstunde über das Schweizer Asylwesen und den Kokainhandel. In allen Einzelheiten führte er aus, wie man bei der Einreise in die Schweiz vorgehen müsse, wie er Kontakte zu Drogenhändlern knüpfen könne und wie das Geschäft ablaufe.

Er beschrieb sogar, wie er in einer brenzligen Situation die kleinen Kokainportionen im Mund schlucken müsse und wie er sie später über der Toilettenschüssel wieder ausscheiden könne. «Alles ist reine Glückssache, aber wenn man viel Kohle machen will, muss man dieses Geschäft machen», sagte der Häftling.

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