Hat sie – oder hat sie nicht? Der Hinweis kam von einem Informanten. Eine Beamtin des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements soll letzten Herbst für eine private Flugreise nach Asien dienstlich erworbene Bonusmeilen verbraucht haben.

Die Angeschwärzte bestreitet dies vehement und stellt in ihrer schriftlichen Antwort unerfüllbare Bedingungen: Sie sei bereit, dem Beobachter «die Belege für die Richtigkeit meiner Aussage an meinem Arbeitsort in Bern vorzulegen, allerdings nur in Anwesenheit Ihres Informanten». Die Vorgesetzten wiederum vertrauen ihrer Mitarbeiterin voll und ganz. Es gebe keinen Grund, das Inspektorat einzuschalten. Somit muss offen bleiben, was stimmt.

Klar ist: Beamte, die dienstliche Bonusmeilen privat nutzen, verstossen gegen das im Bundespersonalgesetz festgehaltene Verbot der Vorteilsnahme. Wer aber kontrolliert die Vielflieger des Bundes?

Die Reisezentrale des Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) organisiert Flüge für alle Bundesbeamten. Doch die Inanspruchnahme dieser Dienstleistung ist freiwillig.

Wie hoch der Anteil jener Beamten ist, die selber buchen, kann trotz mehrmaligem Nachfragen niemand sagen. Nur so viel gibt man preis: Jährlich werden Flüge für 30 bis 40 Millionen Franken über die Bundesreisezentrale gebucht. Zumindest teilweise ist dieses System gegen Missbrauch geschützt. Heben Staatsdiener etwa mit der Swiss ab, werden die Flüge bei der Buchung speziell kodiert und die Qualiflyer-Meilen dem Bund als Rabatt gutgeschrieben – vorausgesetzt allerdings, dass die Bundesreisezentrale bucht oder der Beamte sich als solcher zu erkennen gibt.

Die Swiss ist zwar der wichtigste Partner des Bundes, doch ihr Anteil an den Buchungen von Beamten liegt derzeit nur zwischen 30 und 50 Prozent. Bei allen anderen Airlines können die Flüge nicht speziell kodiert werden. Dort ist also jeder selber verantwortlich, dass dienstliches und privates Jetten nicht verquickt werden.

Missbrauch im Promillebereich

Zwar werden Merkblätter verteilt, die die Mitglieder von Vielfliegerprogrammen an ihre Dienstpflichten gemahnen – doch nicht immer mit Erfolg, wie Stichproben zeigen. Es komme «bei Dienstflügen zu Unregelmässigkeiten im Promillebereich», lässt sich EDA-Pressesprecherin Daniela Stoffel entlocken. Was und wie bei diesen Stichproben kontrolliert wird, will man nicht verraten – «um die Effizienz nicht zu gefährden», wie es beim EDA heisst.

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Wird ein Beamter dabei ertappt, dass er seine dienstlichen Bonusmeilen privat verfliegt, muss er den Gegenwert zurückerstatten. Zudem hat er mit einem Verweis oder gar mit einem Disziplinarverfahren zu rechnen. Verantwortlich dafür sind die einzelnen Bundesämter selber. Eine Statistik, wie viele Falschflieger sanktioniert werden, existiert laut EDA allerdings nicht – ganz nach dem Motto: «Was keiner weiss, macht die Öffentlichkeit auch nicht heiss.»