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BundesverwaltungLizenzen ohne Ende

Der Bund zahlt Dutzende Millionen Franken für Softwarelizenzen – und schweigt.

Die Bundesverwaltung wird abhängig von Microsoft.
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Wenn in einem Bundesamt ein PC steht, steckt im Normalfall Software von Microsoft drin. Um diese nutzen zu können, muss das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) alle drei Jahre neue Lizenzen kaufen. Ende 2014 schrieb das BBL den Auftrag in einem sogenannt offenen Verfahren aus: Somit konnte jede beliebige Firma ein Angebot abgeben. Den Zuschlag erhielt SoftwareOne aus Stans NW – sie habe die Kriterien am besten erfüllt. Der Preis für drei Jahre: knapp 46 Millionen Franken – rund 14 Millionen mehr als bei der Ausschreibung von 2011. «Das zeigt, dass die Bundesverwaltung immer stärker abhängig wird von Microsoft-Produkten», kritisiert Matthias Stürmer, Leiter der Forschungsstelle digitale Nachhaltigkeit an der Universität Bern.

Null Transparenz

Bloss ein Jahr nach dem 46-Millionen-Geschäft beschaffte das BBL im November wieder Micro­soft-Lizenzen. Diesmal für «nur» 5,7 Millionen Franken, wobei die Auftragssumme optional ist. Das BBL muss die Summe nicht ausschöpfen.

«Die Bundesverwaltung wird immer stärker abhängig von Microsoft.»

Matthias Stürmer, Leiter Forschungsstelle digitale Nachhaltigkeit, Universität Bern

Nun wählte das BBL ein freihändiges Ver­fah­ren, sprich: Der Auftrag ging ohne Ausschreibung an SoftwareOne.

Was genau der Bund für die knapp 6 Millionen kaufen will, bleibt im Dunkeln: «Wir dürfen aus rechtlichen Gründen während der laufenden Beschwerdefrist keine detaillierteren Angaben machen», erklärt BBL-Sprecher Jonas Spirig – und schweigt auch zu weiteren Fragen. So gibt das BBL «aus Gründen des Datenschutzes und der zu wahrenden Vertraulichkeit» nicht einmal bekannt, wie viele Firmen sich 2014 an der Ausschreibung für den 46-Millionen-Auftrag beteiligten. Auch eine konkrete Begründung, weshalb der aktuelle Auftrag ohne Ausschreibung an SoftwareOne ging, bleibt Spirig schuldig – «aus rechtlichen Gründen».

Matthias Stürmer kritisiert die Heimlichtuerei: «Selbst wenn es juristisch haltbar ist, Vertragsdetails zu verschweigen, ist das aus Sicht der steuerzahlenden Öffentlichkeit höchst fragwürdig. Das BBL müsste zumindest bekannt geben, wie viele Firmen sich an der Ausschreibung beteiligen und was genau beschafft wird.»

Veröffentlicht am 08. Dezember 2015

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4 Kommentare

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Marco
Wieso fragen wir uns nicht einmal, wieso immer die gleichen Firmen die Aufträge erhalten? Im Übrigen OpenSource-Produkte bergen für Firmen sehr viele Fallen gerade im Compliance-Bereich. Das sollte nicht ignoriert werden. Es ist eben nicht immer galles Gratis, wo gratis drauf steht. Es gibt auch viele Beispiele von öffentlichen Verwaltungen, welche auf OpenSource gewechselt haben und nun wieder Microsoft einsetzten.

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Marcel
@Alex Es gibt genauso viele Studien, die auch anderes belegen. Die genannten Stichworte kamen auch zum Zug als ein Wechsel auf MS Office 2007 stattfand. Der Aufwand ist der gleiche. Opensource Programme werden im Übrigen auch von Profis geschrieben

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Alex
Sergio, Woher weist Du den, was der Bund nicht kommunizieren will? Nämlich wofür das Geld ausgegeben wird! Dein Annahmen in Ehren, aber es gibt genügend guten Studien von renommierten IT Analysten die belegen, dass "Gratissoftware" für grosse Unternehmen eben alles andere als gratis ist. Stichworte dazu sind: Höhere Integrationskosten, höhere Engineeringkosten, schlechtes Releasemanagement, Bedarf an mehr teuren eigenen IT Spezialisten, Produktivitätsverluste beim Nutzer wegen Inkompatibilitäten etc etc. Am Ende ist der Ausflug in die auf den ersten Blick nicht kommerziellen Gefielde teurer und komplexer als eine gute Partnerschaft mit dem Profi. Die Zeiten als sich Firmen eigenen grosse IT Abteilungen halten wollten sind zurecht vorbei! IT wird Commodity. IT Bastler brauchen neue Jobs.

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Sergio
Absolute schweinerei. Mit linux und openoffice könnten sie mehr leisten ohne überteuerte lizenzen zu lasten der steuerzahler und hätten erst noch mehr sicherheit!

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