Wird der neue Mieter vielleicht schon bald wieder umziehen? Lebt der potentielle Geschäftspartner gar nicht so gut, wie er vorgibt? Wer Antworten auf solche Fragen sucht, wird seit kurzem fündig. Teledata, die Bonitätsdatenbank der Orell Füssli Wirtschaftsinformationen AG, liefert seit Ende Oktober ihren Kunden solche Angaben.

Zwar konnten über Teledata schon bisher Bonität und Zahlungsmoral fast aller Einwohnerinnen und Einwohner des Landes abgefragt werden. Nun aber bietet man zusätzlich eine «statistische Umgebungsanalyse» an – und wer dachte, Google Street View ritze mit seinen Fotos von Wohnhäusern die Privatsphäre, stellt staunend fest, dass noch viel tiefere Einblicke möglich sind: Mit der Umgebungsanalyse lässt sich etwa herausfinden, ob man in einer Gegend mit hohem Ausländeranteil wohnt, wie viele Parteien im gleichen Haus leben, wie gross die Wohnungen sind, wie hoch der Mietzins ist und wie viele Mitbewohner erwerbstätig sind. «Es ist zumindest fraglich, ob solche Daten für eine Bonitätsprüfung notwendig sind», sagt der Kantonalzürcher Datenschützer Bruno Baeriswyl. «Ich vermute, dass da unverhältnismässig viele Angaben zu Personen bearbeitet werden.»

Die Rechtslage ist unklar

Beim Datensammler Teledata sieht man das naturgemäss anders: Die neu aufgeschalteten Daten bezögen sich nicht auf eine bestimmte Person, sondern auf deren Umgebung, erklärt Sprecherin Antonella Germania. Zudem würden die Resultate der Umgebungsanalyse nicht in die Beurteilung der Bonität einfliessen. Und die TeledataNutzer verpflichteten sich, «Informationen nur zu beziehen, wenn sie im Einzelfall ein konkretes Interesse daran haben».

Vom Beobachter auf die Sache aufmerksam gemacht, will nun der eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür die neue Teledata-Funktion unter die Lupe nehmen. Auf das Resultat darf man gespannt sein: Im Januar sprach sich das Bundesverwaltungsgericht gegen private Schnüffeleien aus. Es untersagte damals der Teledata-Konkurrentin Dun & Bradstreet, sogenannte Mitarbeiterchecks anzubieten, die Personalchefs Einblicke in Zahlungsmoral, Inkassofälle und Mitbewohner von Bewerbern gaben (siehe Artikel zum Thema «Rückblende: Die ‹Auskunft› über Angestellte ging zu weit»).

Den von Teledata Fichierten bleibt bis zur Klärung der Rechtslage bloss der Trost, dass die Daten zwar umfassend, aber mitnichten immer zutreffend sind, wie das Beispiel des Schreibenden zeigt: Die Daten über seine Wohnadresse in einem Zürcher Vorort stimmen zwar haargenau – bloss wohnt er nicht mehr dort.