Das Haus der Familie Christin und Bruno Federer liegt zurückversetzt am Rande des Zentrums von Berneck. Die Liegenschaft in der Wohn- und Gewerbezone wurde mit viel Liebe zum Detail und Rücksicht aufs schützenswerte Ortsbild renoviert. Doch nun ist Feuer im Dach - weil ein Baugesuch für Sonnenkollektoren von der Gemeinde abgelehnt wurde.

Dabei beruft sich die Behörde auf eine Stellungnahme der kantonalen Denkmalpflege, laut der das Federer-Gebäude zwar «kaum von historischem Wert, aber Teil des inneren Ortsbildes» sei. Und weiter: «Die Praxis ist die, dass wir in schützenswerten Ortsbildern Kollektoren als eine erhebliche Beeinträchtigung der Geschlossenheit von Dachflächen ablehnen müssen.» Die Gemeinde schloss sich an, auch wenn die Stellungnahme der Denkmalpflege nur empfehlenden Charakter hat.

Federers sind enttäuscht. Auch darüber, dass weder die Gemeinde noch die Denkmalpflege vor dem Bauverbot das Gespräch gesucht hätten: «Wir wollen die Kollektoren ja direkt ins Dach einpassen. So sind sie kaum störend.» Zudem zeigt ein Augenschein, dass es rings um den Ortskern von Berneck gravierendere Eingriffe ins Erscheinungsbild gibt: etwa überdimensionierte Geschäftsschilder, eine 08/15-Telefonzelle, öde Dachaufbauten.

Bruno Federer ist vom Fach: Er führt im Ort einen Metallbau- und Heizungsbetrieb in sechster Generation und installiert selber Solaranlagen. Die Kollektoren auf dem eigenen Dach wären für ihn ein Beitrag zu einer nachhaltigen Energieversorgung, aber auch eine Referenz für Kunden. Die Anlage ist so dimensioniert, dass sie ganzjährig Energie für Warmwasser und das Heizen in der Übergangszeit liefert.

Das Baugesetz sieht Ausnahmen vor

Pierre Hatz, Leiter der kantonalen Denkmalpflege, bezeichnet die Haltung seiner Dienststelle als «recht konsequent»: Kollektoren auf oder in der Nähe von Schutzobjekten solle es nur dann geben, wenn diese «wirklich nicht einsehbar sind». Das sei bei Federers nicht der Fall. Von einer Güterabwägung zugunsten des Klimaschutzes hält Hatz nichts: «Nur gut zwei Prozent der Häuser in der Schweiz sind denkmalgeschützt. Sonnenkollektoren haben auf den anderen 98 Prozent noch genug Platz.»

Federers haben beim St. Galler Baudepartement rekurriert - mit der Begründung, es handle sich um eine ökologische Baumassnahme. Im kantonalen Baugesetz heisst es nämlich zum Thema Heimatschutz: «Ausnahmen sind zulässig, soweit andere öffentliche Interessen, insbesondere die Förderung von Alternativenergien, überwiegen.» Die Rekursinstanz schlägt nun ein Einigungsgespräch mit Gemeinde, Denkmalschutz und Bauherren vor.


Es geht auch anders
Sonnenkollektoren trotz schützenswertem Ortsbild

In jüngster Vergangenheit haben sich mehrere Gemeinden mit schützenswertem Ortsbild für den Einbau von Sonnenkollektoren auf Dächern entschieden:

  • In Kirchberg SG stimmte die Gemeinde einem Baugesuch für Kollektoren auf einem Wohnhaus im Ortszentrum zu - gegen die Empfehlung der Denkmalpflege.
  • 14 Jahre hat es gedauert, bis die Besitzer einer Pension im schützenswerten Dorfkern von Guarda GR ihre Solaranlage bewilligt bekamen. Die Anlage wurde dieses Jahr mit dem Schweizer Solarpreis ausgezeichnet.
  • In Baselland hat die Bau- und Umweltschutzdirektion die Abbruchverfügung für Solarkollektoren im Ort Blauen einstweilig zurückgezogen. Eine Anpassung der kommunalen Vorschriften soll Sonnenkollektoren in der Kernzone ermöglichen.
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Quelle: Tobias Siebrecht