Alarmierendes verkündet die Leitung des Uno-Umweltprogramms Unep: Kriminelle machten im vergangenen Jahr im Umweltbereich weltweit Geschäfte im Wert von 20 bis 40 Milliarden Dollar. Besonders stark nimmt der illegale Handel mit giftigen Abfällen zu, die speziell entsorgt werden müssten.

Allein in Deutschland registrierten die Behörden 1996 rund 29'000 Verstösse gegen das Umweltrecht – 73 Prozent betrafen die verbotene Lagerung von giftigen Abfällen. So flog ein mafiöses Netz von Entsorgungsfirmen auf, die Sonderabfälle an Kompostieranlagen zur Humusbildung lieferten oder hochgiftige Schlämme zu Altöl umdeklarierten und als Brennstoff verkauften. Statt für die Entsorgung zu bezahlen, kassierten die Drahtzieher ab.

Und in der Schweiz? «Wir haben keine Hinweise, dass derartige Delikte im grossen Stil begangen werden», sagt Mathias Tellenbach vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal). Die Kontrolle sei gut; zudem würden illegale Sondermülldeponien in der kleinräumigen Schweiz schnell entdeckt. Dennoch machten eine Reihe von Fällen in den letzten Jahren Schlagzeilen:

  • Ohne Bewilligung lagerte die Firma Altola 1994 in Pieterlen BE rund 500 Tonnen Sondermüll: Lösungsmittel, Farbabfälle, Toner aus Kopierapparaten oder alte Batterien.

  • In den Stollen einer stillgelegten Kalkfabrik in St-Ursanne JU entdeckte Greenpeace 1994 mehrere tausend Tonnen zum Teil flüssigen Sondermüll, der eigentlich verfestigt werden sollte.

  • Das Zuger Strafgericht verurteilte 1995 den Betreiber der Deponie Alznach bei Rotkreuz. Auf der Deponie war schwermetallhaltiger Abfall aus der Galvanikproduktion abgelagert worden.

  • Zwei Männer betonierten im zürcherischen Obfelden 21 Metallfässer ein, die zum Teil Sondermüll enthielten. 1998 wurden sie dafür vom Bezirksgericht Affoltern verurteilt.

  • Gebühr kassiert – Altpneus wild deponiert: Auch dieses bekannte Strickmuster kommt immer wieder vor – so etwa im letzten August im solothurnischen Trimbach.

Diese Beispiele seien nur die Spitze des Eisbergs, vermutet Greenpeace-Mann Stefan Weber: «Nach wie vor gibt es in der Entsorgungsbranche schwarze Löcher, in denen giftiger Müll verschwindet.»

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Ein Exportpapier sei schnell gefälscht und giftige Ware locker mit einer falschen Deklaration getarnt. «Die Kontrollen sind lückenhaft, und der Profit ist enorm», sagt Weber. Die Entsorgung brennbarer Siedlungsabfälle kostet rund 300 Franken pro Tonne – bei Sonderabfällen sind es rund 800 Franken.

Skeptisch ist angesichts des Booms in der Umweltkriminalität auch Christoph Müller, ehemaliger Dozent für Wirtschaftskriminalität an der Universität St. Gallen. «Meinen Sie, die Müllschieber machen einen Bogen um die Schweiz?», fragte er vor einem Jahr in einem «Cash»-Interview. Für das organisierte Verbrechen seien illegale Sondermüllgeschäfte der ideale Zukunftsmarkt: «Geringes Risiko, erwischt zu werden, hohe Profite und ein vergleichsweise geringes Strafmass, wenns schief geht.»