Stampfende Musik, stickige Luft, blitzende Lichter: So mögen es Discobesucherinnen und -besucher. Ausgelassen drängen sie sich auf der Tanzfläche; ins Gespräch vertieft stehen sie an der Bar. Doch gibts einen Fluchtweg, wenn Feuer ausbricht wie etwa 1998 im schwedischen Göteborg? Damals kamen 60 Jugendliche ums Leben.

Strenge Kontrollen in Zürich
Vor einem Jahr testete der Beobachter mit der städtischen Feuerpolizei die Sicherheit von elf Zürcher Discos. Resultat: In vier der getesteten Lokale wäre bei einem Feuerausbruch die Hölle los gewesen; fünf weitere Betriebe mussten beanstandet werden. Notbeleuchtungen waren defekt, Notausgänge verschlossen und Fluchtwege versperrt.

Dabei sind die Zürcher Discos vergleichsweise sicher: In der Limmatstadt werden die Lokale während der Betriebszeiten, also nachts, kontrolliert. Nur dann kann die Polizei eine Uberbelegung oder verschlossene Notausgänge feststellen. In Bern und Basel hingegen wurden bis anhin nur tagsüber Kontrollen durchgeführt – für nächtliche Aktionen fehlte das Personal.

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Der Beobachter-Test hat die Behörden aufgerüttelt. Letzten Frühling reichte die Berner SVP eine Interpellation ein. Inhalt: die ungenügende Sicherheit in den Berner Tanz- und Jugendlokalen. Der Vorstoss trug Früchte. Seit Anfang Jahr werden die rund 100 Discos, Bars, Restaurants und In-Lokale der Bundesstadt an den Wochenenden von der Feuer- und der Gewerbepolizei unter die Lupe genommen.

Das ist gut so. «In einer Bar waren 45 Personen zugelassen, angetroffen haben wir doppelt so viele», sagt Renzo Bianchi, Gesamtleiter Brandschutz Bern. Diese Aktion dauert noch bis Mitte Jahr und soll einmalig bleiben. Denn Bianchi setzt nach wie vor auf die Eigenverantwortung. «Mit unseren Kontrollen möchten wir die Lokalbetreiber für Sicherheitsfragen sensibilisieren.»

Langfristig für Sicherheit sorgen soll ein Kontrollbuch für sämtliche Gastgewerbe- und Tanzbetriebe, Spitäler und Hotels. Es wird nächstes Jahr im ganzen Kanton Bern eingeführt. Ähnlich wie beim Serviceheft für Autos müssen die Verantwortlichen alle verlangten und ausgeführten Massnahmen darin eintragen. Die Behörden können die Bücher jederzeit überprüfen.

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Lockeres Regime in Basel
Auch in Basel blieb der Beobachter-Test nicht folgenlos. Im Frühling 1999 wurden zwölf Discos überprüft. Mehr als diese eine nächtliche Kontrollaktion gab es allerdings nicht. «Der technische Zustand der Lokale lässt sich tagsüber, ungestört vom Betrieb, sorgfältiger überprüfen», sagt Alfred Läuchli von der Brandschutzfachstelle Basel-Stadt. «Es ist aber unser Ziel, ergänzend zu diesen technischen Kontrollen auch unangemeldete Stichproben während der Betriebszeiten durchzuführen.»

Discotheken zu kontrollieren ist ein hartes Stück Arbeit. Das zeigen die Erfahrungen der Zürcher Behörden. In der Limmatstadt, wo sich Discobesucher aus ganz Europa treffen, führt die Feuerpolizei schon seit langem regelmässig nächtliche Brandschutzkontrollen durch.

Meist folgen die Betreiber den Auflagen der Feuerpolizei. Dies zeigt auch eine kürzliche Stichprobe des Beobachters im Klub Supermarket: Vor Jahresfrist hatten die Organisatoren die Notausgänge mit Sofas verstellt und versteckten sie zudem hinter schweren Vorhängen.

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Im Brandfall hätte es kaum ein Entkommen gegeben. Jetzt sind die Notausgänge frei und die Vorhänge manierlich zurückgebunden.

Doch die Betreiber der Discos wechseln schnell. Laufend werden bestehende Lokale umgebaut, und neue Klubs öffnen ihre Tore. Nüchterner Kommentar von Bruno Hinnen, Chef der Feuerpolizei der Stadt Zürich: «Man könnte den Beobachter-Test dieses Jahr noch einmal durchführen: Das Resultat wäre dasselbe – nur die Namen der Lokale wären neu.»