So langsam reden sich Politiker und Politikerinnen wieder warm. Sie äussern sich im Hinblick auf die Parlamentswahlen am 18. Oktober prononciert zu allem und jedem und kommentieren das Welt- und Schweizgeschehen in Kürzestphrasen auf Twitter und Facebook. Die simple Gleichung dahinter: Wer viel in den Medien auftaucht, hat auch viel zu sagen. Hauptsache, man ist als Name präsent, wenn im Herbst die Wahllisten in die Schweizer Haushalte flattern.

Der Inhalt darf dabei für viele auch mal zweitrangig, falsch oder gar blöd sein. Schliesslich gilt unter Marketingfachleuten als ausgemacht: Auch schlechte Werbung ist gute Werbung, zumindest aber besser als gar keine. Eine Studie des Magazins «Harvard Business Manager» von 2012 scheint dies auf den ersten Blick zu bestätigen. Sie erwähnte etwa, dass die Verkaufszahlen eines toskanischen 60-Dollar-Weins, der in einem vielgelesenen Blog das Prädikat «stinkende Socke» erhalten hatte, nach dem Verriss um fünf Prozent zulegten.

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«Nur wer neu ist auf dem politischen Parkett, kann sich schlechte Presse leisten.»

Andres Büchi, Chefredaktor

Dennoch ist schlechte PR nicht immer besser als gar keine. Eine Analyse der Verkaufszahlen von Büchern, die in der «New York Times» besprochen worden waren, zeigte nämlich, dass sich negative Kritiken je nach Fall sehr unterschiedlich auswirken. So liessen schlechte Rezensionen bekannter Autoren die Buchverkäufe um 15 Prozent einbrechen. Nur neuen oder kaum bekannten Autoren halfen auch schlechte Besprechungen. Die Verkaufszahlen stiegen um rund 45 Prozent an.

Fazit der «Business Manager»-Studie: Bekannte Namen sollten eine negative Presse möglichst vermeiden. Unbekannten Namen hingegen hilft eine schlechte Werbung tatsächlich mehr als keine. Umgemünzt auf die Politik, heisst das: Nur wer neu um Amt und Würden buhlt, kann sich schlechte Kommentare leisten. Wer hingegen bereits einen Namen hat, richtet mit unreflektierten und widersprüchlichen Wortmeldungen schnell Schaden an und verspielt seine Glaubwürdigkeit.

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Richtig oder falsch?

Glaubwürdigkeit aber ist bekanntlich das wertvollste Gut jedes Politikers. Wie also steht es um die Glaubwürdigkeit der Schweizer Parlamentarier?

Der Beobachter lanciert mit der neuen Ausgabe den «Faktenchecker». Autor Thomas Angeli überprüft bekannte Aussagen von Politikerinnen und Politikern auf deren Wahrheitsgehalt. Zudem liefern wir Ihnen unter www.beobachter.ch/faktenchecker ab sofort jede Woche weitere Wortmeldungen und die Hintergründe. Denn wir wollen keine Viel- und Gerneredner, die je nach politischer Grosswetterlage gut klingende Behauptungen in die Welt setzen. Wir wünschen uns überzeugende und glaubwürdige Politiker, die möglichst die Wahrheit sagen.

Der neue Beobachter

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte mit dem Fakten-Check zu Aussagen von Politikerinnen und Politikern in der aktuellen Ausgabe des Beobachters. Dazu finden Sie ein Interview mit Politikberater Mark Balsiger. Weitere Themen des Hefts sind: Einladung für Hacker beim AKW Mühleberg, Bauern bangen um ihr Wasser und Auswirkungen auf Angehörige bei einem Vermisstenfall.

Der Beobachter 12/2015 erscheint am Freitag, 12. Juni. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

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