Am 11. März sind fünf Jahre vergangen seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Und am 26. April jährt sich zum 30. Mal der Tag, an dem der Atommeiler von Tschernobyl in die Luft flog. Die beiden Ereignisse haben allen vor Augen geführt, was der Begriff «Restrisiko» bei Kernkraftwerken in der Praxis heisst: Zigtausende Menschen in den betroffenen Regionen müssen mit den Folgen eines möglichen Unfalls fertigwerden, weil er passieren kann, auch wenn er noch so unwahrscheinlich ist.

Wie käme die Schweiz mit einem Reaktorunfall zurecht? Diese Was-wäre-wenn-Frage war Ausgangspunkt für unsere Recherchen. Nicht weil wir Ängste schüren, sondern weil wir wissen wollen, wie die Schweiz gerüstet ist. Was die Notfallszenarien vorsehen, wie die Bevölkerung gewarnt würde, wie im schlimmsten Fall die nötigen Evakuierungen abliefen, ob man die Versorgung der Menschen in den Ballungsräumen noch sicherstellen könnte und wo eventuell die Notvorsorge verbessert werden muss.

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Die Lehren aus «Fukushima»

Unser Redaktor Thomas Angeli hat diese Fragen recherchiert. Alle zwei Jahre werden aufgrund eines offiziellen Szenarios Gesamtnotfallübungen durchgeführt. 2015 haben Bundesstellen und Rettungsorganisationen am Beispiel eines schweren Atomunglücks im AKW Gösgen getestet, wie schnell reagiert und geholfen werden kann.

Das Resultat lesen Sie in unserer Titelgeschichte. Sie zeigt: Die Schweiz ist für einen atomaren GAU gerüstet, aber nur bedingt. Zwar haben alle Einwohner im Umkreis von 50 Kilometern um ein AKW Jodtabletten als erste Notvorsorge für den Fall einer radioaktiven Verstrahlung erhalten. Doch das Alarmkonzept hat noch Lücken. So wird erst 2017 ein SMS-Alarm möglich sein, mit dem auch Menschen gewarnt werden sollen, die man weder durch Sirenen noch über das Radio erreichen kann.

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«Ein schwerer AKW-Unfall ist kaum beherrschbar.»

Andres Büchi, Chefredaktor

Die Evakuierung des Gebiets rund um das AKW Gösgen könnte nach Erkenntnissen der ETH zwar «innert 36 Stunden» erfolgen. Allerdings nur deshalb, weil es sich um ein «relativ ländliches Gebiet» handelt, ohne behindernde Fluchtengpässe. Aber: Wohin die Betroffenen längerfristig umgesiedelt würden, weiss keiner.

Zu einem Nahrungsmittelengpass, so versichern die Behörden, werde es nicht kommen, solange kein mehrmonatiger Stromausfall hinzukommt. Dagegen würde durch das Löschwasser die Wasserversorgung von Aarau ernsthaft verseucht.

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Fazit: Auch wenn die Schweiz einigermassen gut vorbereitet ist auf eine denkbare Katastrophe und die Notfallvorsorge sicher noch verbessert werden wird, bleibt ein schwerer Atomunfall mit all seinen Folgen kaum beherrschbar.

Der neue Beobachter ist da!

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte «Bedingt notfallbereit – wie die Schweiz für eine AKW-Katastrophe gerüstet ist» in der aktuellen Ausgabe des Beobachters.

Weitere Themen des Hefts: Autokauf – so weit geht die Garantie. Schicksal – warum adoptierte Kinder ihre leiblichen Eltern oft nicht kennen. Amalgam – wie sicher ist Quecksilber in Zahnfüllungen?

Der Beobachter 05/2016 erscheint am Freitag, 4. März. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

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