Der Keilriemen gerissen, die Nerven strapaziert, da schaltete die Neuwagenlenkerin in den Overdrive: «Wenn ich von Ihnen bis in zehn Tagen keine Gutsprache erhalte, werde ich diesen Fall dem Beobachter weitergeben.» Und ab ging die Post an den Auto-Generalimporteur.

Pech für die verärgerte Kundin: Auch in der Direktionsetage des Importeurs liest man den Beobachter – und reagierte auf die Drohung entsprechend gelassen. Dem Antwortschreiben an die Automobilistin lag diskret die Kopie eines Beobachter-Artikels bei. «Drohen Sie nicht mit dem Beobachter», stand darin. «Wer es tut, riskiert eine Strafe.» Clever.

Und richtig: Tatsächlich kann die Ankündigung, jemanden in die Medien zu bringen, als Nötigung oder als Nötigungsversuch gelten. Ob dann auch wirklich etwas publiziert wird, spielt keine Rolle. Ausschlaggebend ist die Absicht, die Gegenseite zu beeinflussen. Das kann teuer werden: Eine Nötigung wird «mit Gefängnis oder mit Busse bestraft». So steht es – für alle Liebhaber von Juristenfutter – in Artikel 181 des Strafgesetzbuchs.

Doch bevor Sie nun den – unproblematischen – Hinweis «Kopie z.K. Beobachter» aus Ihrer Korrespondenz löschen: Es ist natürlich jederzeit erlaubt, sich vertrauensvoll an das Beobachter-Beratungszentrum zu wenden. Und es ist sehr sinnvoll, die Beobachter-Redaktion auf gravierende Missstände hinzuweisen. Über 100'000 Personen gelangen Jahr für Jahr an unsere Institution. Aus dieser riesigen Fülle an Informationen gestalten wir zu einem grossen Teil unser publizistisches Programm. Denn die vielen persönlichen Kontakte zu den Leserinnen und Lesern wirken wie ein Seismograf. Was immer die Menschen in der Schweiz bewegt: Der Beobachter erfährt es ganz direkt.

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Beispiel Swissair. Kaum war die Airline im Nachlass gelandet, gabs einen Ansturm auf die Beobachter-Hotlines. Reisende erkundigten sich nach ihren Rechten, Swissair-Mitarbeiter nach ihren Möglichkeiten, Aktionäre nach ihren Aussichten. Logisch, dass wir deshalb auch in diesem Heft einen weiteren Aspekt des Debakels beleuchten: das Schicksal der Frühpensionierten. Und klar, dass unser Mitgefühl hier nicht den Managern gilt, die mit Millionenabfindungen aus ihrem Pleitebetrieb abgeflogen sind. Kopie z.K. Eric Honegger, Philippe Bruggisser & Co.