Noch Ende Oktober hatte das Bundesamt für Migration dem Portugiesen die Einbürgerung verweigert, weil er die «schweizerische Rechtsordnung nicht beachtet» habe (siehe Artikel zum Thema «Pingelige Schweizermacher verhindern problemlose Einbürgerung»). Dies, weil Duarte an einem unbeaufsichtigten Bahnübergang im Thurgau ein Warnsignal übersehen hatte und mit einem Regionalzug kollidiert war.

Dabei entstand nur Blechschaden. Dennoch wurde der 50-Jährige, der weder betrunken noch zu schnell unterwegs war, wegen «fahrlässiger Störung von Betrieben, die der Allgemeinheit dienen», zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. In der Folge durfte der Portugiese nicht Schweizer werden, auch wenn er keinerlei kriminelle Energie gezeigt hatte – und obwohl er seit 40 Jahren hier lebt, fliessend Mundart spricht und bestens integriert ist.

Duarte: «Das zeugt von Grösse»

Nachdem der Beobachter Mitte November über die pingeligen Schweizermacher geschrieben hatte, empörten sich Leserinnen und Leser im Internetforum sowie in Leserbriefen über den unverständlichen Entscheid der Behörden. All das verfehlte seine Wirkung offenbar nicht: Das Bundesamt für Migration forderte Edmundo Duarte in der Folge auf, das Strafurteil einzuschicken.

Wenige Tage später erhielt er Bescheid, er werde nun doch eingebürgert. «Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hatte die Schweizer Staatsbürgerschaft definitiv abgeschrieben», sagt Edmundo Duarte. «Jetzt freue ich mich, Bürger eines Staates zu werden, der Fehler auch korrigieren kann. Das zeugt von Grösse.»Dominique Strebel