Der Mensch war noch nicht einmal auf dem Mond gelandet, als die Italienerin Maria Chiesa (Name geändert) 1966 heiratete. Seither heisst sie de Gregorio. Danach musste die 1961 in die Schweiz eingewanderte Frau alle paar Jahre ihren Ausländerausweis erneuern lassen; eine Formsache. Doch nun, nach fast einem halben Jahrhundert, erklärte die Einwohnerkontrolle von Wetzikon ZH plötzlich, sie verliere ihren vertrauten Familiennamen und müsse wieder ihren Mädchennamen annehmen. Grund dafür sei ihr neuer italienischer Pass.

Niemand will zuständig sein

Im alten Pass stand, seit ihr Mann Ende der siebziger Jahre verstorben war: «Chiesa, verwitwete de Gregorio». Dieser Zusatz findet sich im neuen Pass nur noch weit hinten, gut versteckt – vorn sichtbar bleibt nur «Chiesa». Wie aber soll sie AHV, Krankenkasse, Bank, Post oder dem Vermieter diese Namensänderung erklären, nachdem sie gemäss Schweizer Recht im Zivilstandsregister den Namen ihres Mannes behalten hatte?

Vom Beobachter zur Stellungnahme aufgefordert, will niemand dafür geradestehen. Die Einwohnerkontrolle Wetzikon erklärt, man halte sich an die Vorgaben des Kantons: Für den Ausländerausweis spiele das Zivilstandsregister keine Rolle, massgebend sei der Pass. Beim Kanton stützt man sich auf Weisungen des Bundesamts für Migration; dort aber erklärt man, für den Vollzug seien die Kantone zuständig. Vom Beobachter angefragt, wie sie in ähnlichen Fällen entscheiden würden, gab es von fünf Migrationsämtern denn auch ebenso viele verschiedene Antworten.

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Wieso dieses Chaos? Wegen des Abkommens von Schengen. Vorschriften und einheitlich geführte Register schränken den Handlungsspielraum der Behörden massiv ein. Das wiederum führt bei zwei nicht kompatiblen Systemen wie dem italienischen und dem Schweizer Namensrecht zu solch widersprüchlichen Entscheidungen. Das hat inzwischen auch das Bundesamt für Migration erkannt: Eine neu einberufene Arbeitsgruppe sucht nach praxistauglichen Lösungen.

Für die Witwe, die – geprägt von der Schwarzenbach-Ära – ihren wirklichen Namen nicht veröffentlicht sehen will, hat sich das Nachfragen des Beobachters gelohnt: Das Zürcher Migrationsamt verspricht, per Ausnahmeregelung dafür zu sorgen, dass auf ihrem Ausländerausweis wieder ihr vertrauter Familienname steht.