Haben Sie bemerkt, dass Caffè Latte in letzter Zeit etwas anders schmeckt? Nein? Dann haben die Milchtechnologen von Emmi ihren Job gut gemacht. Denn sie mussten vor kurzem die Rezeptur ändern. Nicht weil der kalte Kaffee den Kunden nicht mehr gemundet hätte, sondern damit bei Emmi weiterhin reichlich Subventionen in die Kassen fliessen.

Ein findiger Mitarbeiter ­des Staatssekretariats für Wirtschaft hatte nach fast 20 Jahren gemerkt, dass für flüssige Magermilch, wie sie in Caffè Latte verwendet wird, gar keine ­Exportsubventionen an den Hersteller ausgezahlt werden dürften. Denn flüssige Magermilch steht nicht auf der so­genannten Verpflichtungsliste LIX der Welthandelsorganisation (WTO). Und laut Schweizer Schoggigesetz dürfen Produkte subventioniert werden, die auf dieser Liste stehen. Die Folge: Emmi hätte den Grossteil der jährlich 3,6 Millionen Franken staatlicher Ausfuhrbeiträge verloren.

Also hat Emmi die Rezeptur geändert. «Geringfügig», wie Sprecherin Sibylle Umiker sagt, und «immer unter dem obersten Grundsatz, die Qualität nicht anzutasten». Ob Emmi bloss den Fettgehalt der Milch erhöht hat oder neuerdings Magermilchpulver in den kalten Kaffee rührt, bleibt Geschäftsgeheimnis. Beides lohnt sich: Magermilchpulver und fette Milch stehen auf der WTO-Liste. Damit können die Subventionen weiter fliessen.

Einmal über die Grenze karren

Davon profitiert auch Lidl: Der Discounter kauft seinen Caffè Latte in Deutschland und karrt ihn zurück in die Schweiz. Das rentiert, weil das Getränk dank Exportbeiträgen in Deutschland billiger ist als in der Schweiz. Seit die neue Ausfuhrbeitragsverordnung Anfang 2012 in Kraft getreten ist, kann der Bund die zuvor gezahlten Exportbeiträge beim Import zwar wieder zurückverlangen. Doch der Umweg über die Grenze ist offenbar immer noch günstiger.