Anfang März, vor Beginn der Rekrutenschule, war Remo Künzli noch guter Dinge. Er las im Beobachter, dass Rekruten ab Anfang Juli dank einer Gesetzesänderung neu 54 Franken statt 43 Franken Erwerbsersatz pro Tag erhalten werden. Künzli erfuhr zudem, dass der höhere Betrag sogar rückwirkend ab seinem Dienstantritt ausbezahlt werde, falls er am 1. Juli noch Militärdienst leiste.

Am 21. März trat der Ostschweizer in Chur die RS an. Schon bald erkundigte er sich beim Feldweibel nach der Höhe der Zahlungen. Dieser reagierte wenig erfreut: «Der Beobachter schreibt einen Seich», war seine unwirsche Antwort. Die neue Bestimmung gelte erst ab September und rückwirkend schon gar nicht. Künzli war verunsichert und wandte sich ans Beobachter-Beratungszentrum. Die Antwort: Der Feldweibel liegt falsch. Und er war nicht der einzige Militärvorgesetzte, der die neue Rechtslage nicht kannte, wie zahlreiche Anfragen von Betroffenen beim Beobachter zeigten.

Im Militär herrscht üblicherweise ein strenges Regime: Wenn sich ein Rekrut verspätet, wird er diszipliniert. Aber wenn die Armee gesetzliche Pflichten erfüllen muss, lässt sie sich durchaus Zeit. So auch bei Remo Künzli: Mit fünfmonatiger Verspätung erhielt der 20-Jährige im Dezember den ausstehenden Erwerbsersatz für die Zeit von März bis Ende Juni endlich ausbezahlt – immerhin 979 Franken abzüglich AHV. «Dieses Geld kommt vor Weihnachten sehr gelegen», meint Remo Künzli – und freut sich, dass der Beobachter Recht gehabt hat.

Quelle: Lukas Unseld