«Exit-Spitze macht gute Geschäfte mit dem Tod», titelte der Beobachter einen Artikel über die Honorare der Vorstandsmitglieder der Sterbehilfeorganisation (Nr. 6). Die Betroffenen ärgerten sich über den Bericht: In einem an alle Mitglieder versandten Schreiben versuchte der Exit-Vorstand die Vorwürfe zu entkräften.

Inzwischen ist die Nervosität noch gestiegen. Denn an der Generalversammlung vom kommenden 19. Mai muss die amtierende Vorstandscrew gegen fünf Kampfkandidaten antreten.

Ein Exit-Mitglied, das als Urheber eines anonymen Schreibens mit unangenehmen Botschaften vermutet wird, wurde inzwischen sogar von Exit eingeklagt.

Diese Methode ist nicht ganz neu: Bereits die frühere Exit-Führungsmannschaft ging wenig zimperlich gegen unbequeme Kritikerinnen und Kritiker in den eigenen Reihen vor.

Familienangehörige observiert
Wie erst jetzt bekannt wurde, liess der ehemalige Exit-Präsident Meinrad Schär den damaligen Geschäftsführer Peter Holenstein im Oktober 1997 professionell aushorchen: Drei Monate lang überwachte das Zürcher Privatdetektivbüro W. Frei AG den Exit-Mann. Bei den Bemühungen, Gründe für eine Absetzung zu finden, schreckte man nicht einmal davor zurück, Holensteins Familie in die Ermittlungsaktivitäten einzubeziehen.

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Peter Holenstein wollte die Tätigkeiten der Sterbehilfeorganisation auf eine professionelle Basis stellen. So führte er zum Beispiel die rezeptpflichtige Abgabe des tödlichen Medikaments ein.

Doch die «alte Garde», zu der auch die heutige Exit-Präsidentin Elke Baezner gehörte, liess ihn abblitzen. An der Generalversammlung vom Mai 1998 erhob Exit-Präsident Meinrad Schär schwere Vorwürfe gegen Peter Holenstein. Obwohl die Beschuldigungen falsch waren, wählte die Generalversammlung den Geschäftsführer schliesslich ab.

Ans Tageslicht kam die bizarre Überwachungsaktion erst jetzt – und zwar im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren der Zürcher Bezirksanwaltschaft gegen das Privatdetektivbüro W. Frei. Dabei stellten die Beamten fest, dass bei verschiedenen Überwachungsaktionen Amtsgeheimnisse verletzt wurden.

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Dem Privatdetektiv Manuel G., einem Mitarbeiter des Büros Frei, waren auch im Fall von Peter Holenstein Informationen aus amtlichen Registern zugespielt worden. Wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses hat die Bezirksanwaltschaft für den Kanton Zürich inzwischen «gegen Manuel G. und andere» Klage erhoben. Der Strafprozess findet demnächst statt.