Die 85-jährige Ida Egli (Name geändert), eine passionierte Autolenkerin, übersah im Oktober letzten Jahres auf einer Fahrt im Zürcher Oberland das Signal «Kein Vortritt». Das hatte eine leichte Kollision mit einem andern PW zur Folge. Der Polizist, der den Unfall aufnahm, stufte die Frau als «dem heutigen Verkehr nicht mehr gewachsen» ein. Das Strassenverkehrsamt teilte diese Meinung und forderte sie auf, den Fahrausweis freiwillig abzugeben.

Gerechtfertigter Ausweisentzug

Davon wollte die rüstige Automobilistin jedoch nichts wissen. Sie unterzog sich lieber der verlangten medizinischen Untersuchung. Das Ergebnis war ernüchternd: Ihre Sehfähigkeit reichte im Strassenverkehr absolut nicht mehr aus. Der Ausweisentzug war damit gerechtfertigt. Doch Ida Egli gab nicht auf. Anfang März schrieb sie einen recht geharnischten Brief an den Regierungsrat. Inhalt: Sie sei durchaus fähig, ein Auto zu lenken, und wolle den Führerschein wiederhaben. Im Übrigen werde sie sich eine neue Brille besorgen.

Korrekt bestätigte ihr der Regierungsrat den Eingang dieses «Rekurses» und stellte eine Antwort in Aussicht. Die finanzielle Tragweite einer solchen Antwort konnte Ida Egli allerdings nicht erahnen. Denn nirgends auf der Eingangsbestätigung stand geschrieben, die Behandlung des Rekurses sei bei einer Abweisung kostenpflichtig. Dazu Florian Tscharner, der Chef der Rekursabteilung: «Das ist eine alte Streitfrage. Vermerkt man, dass ein Rekurs kostenpflichtig sein könne, wird das als Abschreckung empfunden.»

Anzeige

Als Anfang August immer noch keine Antwort eingetroffen war, fand sich Ida Egli damit ab, nicht mehr Auto fahren zu können. Und verkaufte ihren Wagen. Kurz darauf kam die Rekursantwort, fünf Seiten stark. Der Rekurs wurde wen wundert es? abgelehnt. Die Kosten, bestehend aus der Staatsgebühr von 1000 Franken und der Ausfertigungsgebühr von 135 Franken, musste Ida Egli bezahlen.

Ihr Sohn protestierte: Man könne den handschriftlichen Brief einer betagten Frau doch nicht mit 1135 Franken bestrafen. Auch der Beobachter schaltete sich ein. Und siehe da, plötzlich geht es auch anders: Nun übernimmt die Staatskasse vollumfänglich die Kosten.