Jakob Feubli hat längst die Geduld verloren - und auch das Vertrauen in die Behörden. Der Fahrende lebt mit seiner 20-köpfigen Sippe auf einem improvisierten Standplatz dicht an der Rhone, wo es keine sanitären Anlagen, nicht einmal fixe Wasser- und Stromanschlüsse gibt. «Zum kalten Brunnen müssen wir einen halben Kilometer laufen», so der Scherenschleifer, «für die provisorischen Stromanschlüsse zahlen wir jedes Jahr 1'000 Franken.» Der Platz ist zudem zu klein. «Es ist unumgänglich und dringend, eine Alternative zu finden», hielt der Stadtrat nach einer Ortsbesichtigung letzten Sommer fest.

Dringend? Feubli und seine Angehörigen warten seit gut 20 Jahren auf eine Verbesserung. Ständig werden sie vertröstet; schon im Sommer 2004 erklärte Gemeindepräsident Manfred Stucky dem Beobachter: «Wir besprechen die Sache mit dem zuständigen Amt.» Heute ist nur eines klar: Die Fahrenden müssen weg. Der alte Standort liegt im Naturschutzgebiet, Infrastrukturbauten können dort keine erstellt werden. Feublis schlugen Alternativen vor, darunter sogar ein Terrain zwischen Kläranlage und Bahnlinie. «Hauptsache, wir hätten irgendetwas», sagt Jakob Feubli.

Stadtarchitekt Thierry Bruttin sieht das anders: «Der neue Platz sollte eine gewisse Qualität aufweisen. Wir prüfen eine Lösung zusammen mit der Verlegung des TCS-Campings, die in vier bis fünf Jahren erfolgen muss.» Warum dauert das wieder so lange? «Das Wallis ist eng», meint Bruttin, «es gibt einfach keine freien Areale.»

Stimmt nicht ganz. Im Wallis kann man auch grosszügig sein: Am 26. November entscheiden Sierres Stimmbürger, ob der Golfplatz von neun auf achtzehn Löcher ausgebaut wird. Kosten: sechs Millionen Franken, Platzbedarf: 22 Hektaren; Bund und Kanton spenden Subventionen. Zugleich baut die Stadt für 900'000 Franken eine neue Erholungszone: einen Badestrand mit WC-Anlagen, Strom, fliessendem Wasser. Auch beim künftigen Camping wolle man mit der grossen Kelle anrichten, so Bruttin. Denn: «Ein Camping ist ein wichtiger touristischer Trumpf.» Pech für die Fahrenden: Sie leben zwar auch im Wohnwagen, sind aber keine Urlauber.

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