Walter Noser, Fachbereich Sozialfragen

Die Aufnahme eines Pflegekindes ist bewilligungspflichtig. Die Bewilligung erteilt die Vormundschaftsbehörde oder eine andere von Ihrem Wohnkanton bezeichnete Stelle.

Diese möchte wissen, weshalb Sie ein Pflegekind wollen, und klärt ab, ob Sie als Pflegeeltern geeignet sind. Überlegen Sie sich deshalb, warum Sie einen Pflegeplatz anbieten: Möchten Sie einem Kind seine eigenen Eltern ersetzen, oder möchten Sie die Erziehungsverantwortung mit diesen teilen? Steht bei Ihnen die Lösung bestimmter Schwierigkeiten des Kindes im Vordergrund? Oder soll das Pflegekind vielleicht Ihre eigenen familiären Probleme beheben? Machen Sie sich also genaue Gedanken über Ihre Motivation, denn nach dieser werden Sie genauso befragt wie nach Ihren pädagogischen Fähigkeiten und Ihrer familiären Situation.

Für viele Pflegeeltern ist es unverständlich, dass sie sich eine ganze Reihe sehr persönlicher Fragen gefallen lassen müssen, wo doch Elternschaft in unserer Kultur keiner ausgewiesenen Befähigung bedarf. In der Regel unterscheiden die Behörden auch nicht zwischen geeigneten oder ungeeigneten Pflegefamilien. In erster Linie geht es darum, ob Familie und Pflegekind zusammenpassen oder nicht. Eine Bewilligung darf nur erteilt werden, wenn Pflegeeltern aufgrund ihrer Persönlichkeit, Gesundheit und erzieherischen Eignung Gewähr für gute Pflege, Erziehung und Ausbildung des Kindes bieten.

Wenn die Vormundschaftsbehörde ein Gesuch bewilligt, wird ein Pflegevertrag ausgehandelt, der auch Angaben zu finanziellen Aspekten enthält: Pflegeeltern haben von Gesetzes wegen Anspruch auf ein angemessenes Pflegegeld. Nur wenn Kinder von nahen Verwandten oder zur späteren Adoption aufgenommen werden, geht der Gesetzgeber davon aus, dass ein solcher Einsatz unentgeltlich ist.

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Wenn das Kind bei Ihnen ein neues Daheim gefunden hat, bezeichnet die Behörde eine geeignete Person, die die Pflegefamilie so oft als nötig, mindestens aber einmal jährlich besucht. Damit soll sichergestellt werden, dass die nötigen Voraussetzungen des Pflegeverhältnisses bestehen bleiben.

Pflegeeltern sind in ihrer Erziehungsfreiheit eingeschränkt: Ausser im Alltag und bei dringenden Angelegenheiten brauchen sie die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter des Kindes. Doch Pflegeeltern haben auch Rechte: Das Gesetz sagt, dass sie vor wichtigen Entscheiden angehört werden sollen. Und wenn ein Kind längere Zeit bei Pflegeeltern gelebt hat, kann die Vormundschaftsbehörde den leiblichen Eltern die Rücknahme verweigern, wenn diese die Entwicklung des Kindes ernsthaft gefährdet.