Wenn Ihnen der Chef beim nächsten Apéro zum tollen Lohn Ihrer Frau gratuliert, kann dies zwei Gründe haben: Der Weisswein hat Ihre Zunge gelockert, oder aber Sie haben Kinderzulagen beantragt. Mit der Einführung des neuen Familienzulagengesetzes Anfang Jahr mussten die Familienausgleichskassen (FAK) auch ihre Anmeldeformulare anpassen. Schlanker wurden sie nicht. Weil man verhindern will, dass Eltern doppelte Zulagen beziehen, wird im Bundesgesetz detailliert festgehalten, wann welcher Elternteil Kindergeld erhält.

Wenn Eltern etwa getrennt leben oder in unterschiedlichen Kantonen arbeiten, benötigen die FAK Angaben zur Sorgerechtsregelung oder zum Einkommen des anderen Elternteils. Weil aber fast alle Formulare so konzipiert sind, dass sie über den Arbeitgeber eingereicht werden müssen, erfährt auch der Chef so manches, was ihn eigentlich nichts angeht. «Die Lohnhöhe des Partners zum Beispiel ist für das Arbeitsverhältnis nicht von Belang und muss deshalb dem Arbeitgeber auch nicht angegeben werden», sagt Maia Jaggi, stellvertretende Bereichsleiterin Familienfragen beim Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV).

Datenschützer ist nicht erfreut

Hinzu kommt, dass die FAK gar nicht so detaillierte Informationen benötigen. «Die Kasse muss den Lohn des Partners nicht kennen, sondern nur wissen, welches Einkommen höher ist», so Jaggi. Viele FAK fordern bei getrennt lebenden Eltern auch eine Kopie des Scheidungsurteils, des Unterhaltsvertrags oder der Sorgerechtsvereinbarung – auf Vorrat. Denn erforderlich ist dies längst nicht in allen Fällen. Begründet wird das Vorgehen gern mit dem Dienst am Kunden. «Wir wollen die Wartezeit für Kunden verkürzen und deshalb nachträgliches Einfordern zusätzlicher Unterlagen vermeiden», sagt etwa Corinne Schweizer, Teamleiterin bei der FAK Aargau. Und auch Annalise Kern von der FAK Appenzell Ausserrhoden spricht davon, sich Nachfragen ersparen zu wollen.

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Keine Freude an diesem Vorgehen hat der eidgenössische Datenschutzbeauftragte, Hanspeter Thür. Er gelangte ans BSV, und dieses bat die rund 200 Ausgleichskassen in einem Rundschreiben, die Anmeldung so zu organisieren, dass der Arbeitgeber keine Einsicht in heikle Daten erhält. «Selbstverständlich können die Arbeitnehmer die entsprechenden Felder auch einfach frei lassen», heisst es denn auch in Herisau und Aarau. Einen Hinweis darauf sucht man auf den Formularen aber vergeblich. Dafür gibt es bei der Aargauer Variante einen Vermerk, dass unvollständige Anmeldungen zu Verzögerungen führten.