Den 5. März 2000 wird die 40-jährige Vreni Walser*, Mutter zweier schulpflichtiger Kinder, nie mehr vergessen. Beim Besuch des Fasnachtsumzugs in der Baselbieter Gemeinde Allschwil erhielt sie einen Schlag schräg auf den Hinterkopf. Es war keine Faust, sondern eine Orange, die ein Mitglied der «Nochwuchs-Waggis» aus einer Distanz von rund 25 Metern vom Wagen geschleudert hatte.

Der Schütze wollte sich mit einem Mimosenstrauss beim Opfer entschuldigen. Auch Cliquen-Obmann Christian Moser liess an der Urheberschaft keinen Zweifel offen und entschuldigte sich. Doch damit ist es nicht getan, denn seither hat Vreni Walser erhebliche gesundheitliche Probleme: «Ich habe immer sofort Nackenschmerzen, monatelang hatte ich Kopfweh, und nachts schlafen mir die Hände ein.» Auch nach ärztlicher Behandlung und über 45 Therapiesitzungen trat keine deutliche Besserung ein.

Ein halbes Jahr nach dem Zwischenfall ist sie in der Hausarbeit noch immer stark eingeschränkt. Hatte der Arzt zunächst noch eine positive Prognose gestellt, ist heute unklar, ob die Frau je wieder ganz gesund wird.

Eine Strafanzeige zog Vreni Walser zurück, weil die Fasnachtsclique und deren Haftpflichtversicherung Bereitschaft zeigten, die Kosten zu übernehmen. Doch jetzt, wo tatkräftige Hilfe und finanzielle Unterstützung nötig wären, zeigt sich die Mobiliar-Versicherung von der langsamen Seite und hat ein Gutachten in Auftrag gegeben: Ein Ingenieurbüro im deutschen Münster soll abklären, ob die gesundheitliche Beeinträchtigung in «Kausalzusammenhang» mit dem Orangengeschoss steht.

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Auf eine Akontoforderung von 10'000 Franken ging die Mobiliar bisher nicht ein. «Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes» wollte sich die Versicherung auch gegenüber dem Beobachter nicht äussern.

Fasnächtler wollen nicht haften
Auch der Obmann der Clique, der nebst Leuten aus dem Polizeidienst auch namhafte Geschäftsleute angehören, geht heute auf Distanz: «Wer an die Fasnacht geht, muss halt damit rechnen, dass etwas zu fliegen kommt», sagt Christian Moser.

Dabei gelten intern rigide Weisungen: Wer Orangen schiesst «wie ein Handballschuss, wird mit sofortiger Wirkung aus der Clique ausgeschlossen». Doch obwohl die Distanz zum Opfer etwa 25 Meter betrug, gab es für den Schützen keinerlei Sanktionen. Die könnten aber noch folgen. Der Anwalt von Vreni Walser erwägt jetzt nämlich eine Strafanzeige wegen schwerer Körperverletzung.

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