Anita Koch-Francescato fiel aus allen Wolken, als sie die letzte Ruhestätte ihrer Grosseltern in Uznach SG besuchte. Auf dem Familiengrab fehlten eine Marmorplatte, ein weisses Kreuz und der marmorne Weihwasserbehälter. Nur die lebensgrosse Madonna stand noch an ihrem gewohnten Platz.

Von der Gemeindeverwaltung erfuhr die 60-Jährige, dass die Grabteile Schäden aufgewiesen hätten, deren Reparatur sich nicht lohnte. Man habe sie zum «Recyclen» gebracht. Was heisst: Die Platte wurde zu Kies vermahlen, der Rest vermutlich entsorgt. Und das, obwohl der Gemeinderat beschlossen hatte, das prunkvolle Grab wegen seiner Einzigartigkeit zu restaurieren, um es über die übliche Grabesruhe hinaus zu erhalten. Koch ist entrüstet: «Es kann doch nicht angehen, dass die Gemeinde Grabutensilien einfach vernichten lässt und die Nachkommen nicht informiert werden.» Sie habe zuvor mehrmals deutlich gemacht, dass sie die Sachen behalten wolle.

Bedauern bei der Gemeinde

«Sie hat bei uns zu keinem Zeitpunkt deponiert, dass sie die Sachen behalten möchte», sagt hingegen Gemeindeschreiber Franz Widmer. Der Abtransport des Grabguts sei in keiner Weise mit schlechter Absicht geschehen. Man bedaure, dass man den emotionalen Wert für Anita Koch nicht erkannt habe.

Das Uznacher Vorgehen ist alles andere als üblich. «Eine solche Veränderung muss den Angehörigen in jedem Fall mitgeteilt werden», sagt etwa Bruno Bekowies vom Bestattungs- und Friedhofamt der Stadt Zürich. Entsprechend enttäuscht ist Koch: «Wenigstens den Weihwasserbehälter hätte ich gern behalten.» Den wollte sie ihren verstorbenen Eltern in Zürich aufs Grab legen.

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