Beobachter: Ihre Gemeinderatskollegen sind alle zurückgetreten oder haben die Wahl ausgeschlagen. Fühlen Sie sich einsam?
Florian Kron: Ich würde es mir anders wünschen. Aber ich habe ein gewisses Verständnis für meine Kollegen. Man hat ihnen das Regieren ja nicht einfach gemacht.

Beobachter: Eine kleine Gruppe von Bürgern hat es geschafft, mit Einsprachen gegen Entscheide gleich die ganze Regierung zu vergraulen. Sind Sie weniger dünnhäutig?
Kron: Es waren nicht einfach Einsprachen. Die Konflikte wurden immer auch auf persönlicher Ebene ausgetragen. Ich selber bin bis jetzt noch nicht angefeindet worden.

Beobachter: Halten Sie jetzt Sitzungen mit sich selber ab, oder entscheiden Sie nach Lust und Laune?
Kron: Ich werde schlicht versuchen, die Gemeinde handlungsfähig zu halten. Es ist nicht die Zeit für grosse Würfe. Die «Alleinherrschaft» ist zudem auf zwei Monate beschränkt, dann wird ein vom Kanton eingesetzter Sachwalter das Heft in die Hand nehmen. Eine Einpersonenregierung ist nicht erlaubt.

Beobachter: Auch die einzige Verwaltungsangestellte hat gekündigt. Müssen Sie jetzt auch noch am Schalter stehen?
Kron: Nein. Der wird wöchentlich für anderthalb Stunden von einer Aushilfe bedient.

(Es klingelt an der Tür. Jemand will vom Präsidenten wissen, wo der Sicherungskasten ist. Kron muss passen.)

Beobachter: Was war Ihre erste Amtshandlung?
Ich musste Glühbirnen in der Gemeindekanzlei ersetzen. Es hat funktioniert.

Beobachter: Sie regieren eine Schlafgemeinde. Die Bürger arbeiten und vergnügen sich woanders. Sie als Präsident könnten Hersberg verkaufen, niemand würde es merken.
Kron: Die Fusion mit einem Nachbarort ist eine Möglichkeit. Aber wäre sie auch sinnvoll? Mehrere Hügel trennen uns von der nächsten Gemeinde. Und dort interessiert man sich so wenig für Hersberg wie umgekehrt. In der Verwaltung könnte man aber intensiver zusammenarbeiten.

Beobachter: Warum will niemand mit Ihnen regieren?
Kron: Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Weder ehemalige Gemeinderäte noch unbelastete Bürger wollen dieses Amt.

Beobachter: Woran liegt das?
Kron: Es hat mit den erwähnten Konflikten zu tun. Es braucht mehr Respekt gegenüber jenen, die dazu bereit sind. Zwei weitere Bürger müssten sich doch finden lassen. Sonst bleibt nur die Fremdverwaltung.

Quelle: Dominik Plüss
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