«Der Film ‹Evil Dead II› wurde visioniert und enthält meiner Meinung nach Gewaltdarstellungen gemäss Artikel 135 Strafgesetzbuch», schrieb Polizeiwachtmeister «Schöpfer P.» in seinem Rapport an die Kriminalpolizei Bern. Zu Deutsch: Der Streifen fällt unter das Brutaloverbot, obwohl er in der Schweiz gar nicht auf der Verbotsliste der Fahnder steht.

Unter anderem weil er dieses Video besass, erhielt Michael Antener eine Busse über 1000 Franken – die Polizei beschlagnahmte den Film und vernichtete ihn. Umso erstaunter war Antener, als er «Evil Dead II» ein paar Wochen später in der Buchhandlung Stauffacher und im Musikgeschäft Jecklin in Bern in den Regalen stehen sah.

Antener kaufte das Video an beiden Orten, schickte die Kassetten an die Polizei und reichte gegen die zwei Geschäfte Strafanzeige ein. Doch der zuständige Berner Untersuchungsrichter eröffnete kein Strafverfahren, weil der Film nicht auf der Verbotsliste aufgeführt sei und «sich die Videogeschäfte auf diese Listen verlassen, die Filme selber nicht visionieren und im Zweifelsfalle sofort reagieren, wenn ein Film kritisch ist». Für Antener ist das reine Willkür: «Der Händler darf sich auf die Verbotsliste verlassen, der Käufer hingegen nicht.» Konsequenz: Der Konsument hat keine Garantie, dass legal ist, was er in ehrbaren Geschäften kauft. So ist «Evil Dead II» bei Jecklin in Bern noch immer erhältlich.

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