Nein, ich wars nicht – er hat auch mitgemacht: So tönts bei Kinderstreitigkeiten, und nun auch in der Chemiebranche. Das Aufspalten von Unternehmen – etwa die 1997 erfolgte Ausgliederung der Ciba SC aus dem Novartis-Konzern – lässt die Haftungsstrukturen bei Unfällen verwässern: Wo früher die Ciba-Geigy AG tätig war, arbeiten heute unabhängige Betriebe. Sie nutzen die von der Vorgängerfirma erstellte Infrastruktur gemeinsam. «Das ist eine sehr problematische Entwicklung», sagt Jürg Hofer, Chef des Amts für Umweltschutz des Kantons Basel-Stadt.

Hofer weiss, wovon er spricht: Als beim Bau der Basler Stadtautobahn «Nordtangente» das Grundwasser abgesenkt wurde, sprudelte im Juni 1998 aus einigen Grundwasserpumpen plötzlich rosarot gefärbtes Wasser. Erst im September 1999 – also nach mehr als einem Jahr – stiessen der Pharmariese Novartis und der Chemiekonzern Ciba SC auf die wahrscheinliche Ursache: Im Kleinbasler Werkgelände «Klybeck» leckte eine Kanalisationsröhre. Wie lange und wie viel giftiges Abwasser damals im Boden versickerte, weiss niemand.

Unklarheiten über Unklarheiten
Das baselstädtische Umweltamt schickte der Ciba SC als Abwasserproduzentin eine Reparatur- und Sanierungsverfügung. Sie kam postwendend zurück: Die Ciba SC sei nicht zuständig. Haftbar sei die Besitzerin der undichten Kanalisationsröhre, also die Infrastrukturfirma Novartis Services AG. Jürg Hofer vom Umweltamt: «Es ist bis heute nicht geklärt, wer jetzt für die Grundwasserverschmutzung haftet.»

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Die Ciba SC will «keine Stellungnahme» abgeben. Auch Novartis-Pressesprecherin Marguerite Mamane ortet «Unklarheiten», wer denn nun für die Grundwasserverschmutzung verantwortlich sei: Im Vertrag, mit dem die Novartis AG die Ciba SC in die Unabhängigkeit entlassen habe, sei «die Zuständigkeit für die Wartung der Abwasserrohre nicht im Detail geregelt». Marguerite Mamane betont aber, der Streit um die Haftung betreffe nur die beiden Konzerne. Die Auseinandersetzung sei für die Reparatur der Abwasserröhre und die Sanierung des Untergrunds nicht relevant: «Der Schaden wurde behoben.»

Bedeutung dürften die Unklarheiten aber für die strafrechtliche Verfolgung haben: «Das macht die Sache komplizierter», sagt Markus Melzl, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. Diese untersucht den Fall, weil eine Gewässerverschmutzung von Amts wegen verfolgt werden muss. Nur: Nach Gesetz müssen die Ermittler bei einem der beiden Konzerne eine verantwortliche Person finden. Ein Unterfangen, das mit der Einstellung der Untersuchung enden könnte, wenn diese Person nicht eruiert wird.

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Noch unübersichtlicher dürfte die Haftungsfrage in Zukunft werden. Die Novartis plant, die Agrosparte als Syngenta AG vom Konzern abzuspalten: Dann arbeiten auf dem Areal in Schweizerhalle BL drei Firmen mit der gleichen Infrastruktur.

Bei mehreren Parteien werde die Frage der juristischen Verantwortung bei Unfällen «sicher nicht einfacher», sagt auch Markus Stöcklin, Leiter der Rechtsabteilung der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel-Landschaft.

Novartis aber beteuert, aus dem «Fall Klybeck» gelernt zu haben: Mit der Ausgliederung der Syngenta, so Pressesprecherin Mamane, soll zwischen den drei Firmen auf dem Werkgelände Schweizerhalle vertraglich festgehalten werden, dass «der jeweilige Inhaber eines Gebäudes oder einer Anlage im Schadensfall haftet».