Zum Gottesdienst geht man in die Kirche – diese jahrhundertealte Tradition wird in Glarus erschüttert. Statt die Predigt in der neoromanischen Stadtkirche zu hören und der mächtigen Orgel zu lauschen, trafen sich die reformierten Gläubigen im Januar und Februar im Kirchgemeindehaus. Die sakrale Ausstrahlung des monumentalen Kirchenraums zählte für sie weniger als die gemütliche Wärme des nüchternen Gemeindesaals. In der schlecht beheizbaren 1000-plätzigen Stadtkirche werde es nie richtig warm, sagt Pfarrerin Aline Kellenberger.

Der Umwelt zuliebe

Dass die Glarner Reformierten während der beiden Wintermonate auf ihre Kirche verzichten, sei auch eine gute Tat. «Wir leisten damit einen Beitrag zum Umweltschutz», meint die Pfarrerin. Ganz selbstlos ist die Kirchenschliessung aber nicht. Rund 3000 Franken Heizkosten pro Jahr werden laut Sigrist Bruno Jakober eingespart. Geld, das die arme Kirchgemeinde gut für anderes brauchen kann.

Dass Gottesdienste im Winter in Kirchgemeindehäuser verlegt werden, soll nun nach dem Willen des Vereins «oeku Kirche und Umwelt» sogar Schule machen. In einem Leitfaden zum Energiesparen wird die Kirchgemeinde Glarus als gutes Beispiel erwähnt.

Doch Kirchenverantwortliche aus anderen Kantonen wollen vom christlichen Energiesparen nichts wissen. «Kirchen sind die Heimat der Gemeinde und haben eine wichtige Symbolwirkung», sagt etwa der Zürcher Kirchenratspräsident Ruedi Reich. Skeptisch äussert sich auch der Präsident des Synodalrats der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern, Georg Fellmann: «Wenn Gemeindemitglieder in die Kirche gehen wollen, dann wollen sie eben in die Kirche gehen und nicht in einen Pfarreisaal.»

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