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GleichstellungMuss jetzt ein Mann ran?

Das Gleichstellungsbüro des Kantons Zürich engagiert als erstes in der Schweiz einen Männerbeauftragten. Die Massnahme ist umstritten.

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Einen «Männer-Beauftragten (60% bis 80%)» sucht Helena Trachsel per Inserat auf März. Die Leiterin der Fachstelle für Gleich­stellung von Frau und Mann des Kantons Zürich sagt: «Wir haben in all den Jahren in der Arbeit mit den Männern und den Vätern zu wenig erreicht. Es ist ein Versuch.» Und es ist ein Novum: In keinem anderen kantonalen Gleichstellungsbüro gab es je einen Männerbeauftragten.

«Wir wollen euch einbinden!»

Der Neue soll laut Trachsel unter anderem den Dialog mit der Wirtschaft intensivieren sowie zusammen mit den Arbeit­gebern Lösungen suchen, wie sich Beruf und Privates besser vereinbaren lassen. Kann das nur ein Männerbeauftragter? «Natürlich nicht», meint Trachsel. Tatsache sei aber, dass ein Teil der Männer sich durch die Fachstelle nicht vertreten fühle. «Ein Männerbeauftragter ist ein Signal: ‹Hey, wir wollen ­euch einbinden!›»

Die Massnahme der Zürcher Fachstelle ist umstritten. So fragt Sylvie Durrer, Direktorin des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann: «Braucht es das wirklich?» Sie unterstützt es, Männer anzustellen, das sei in vielen Büros bereits Praxis. «Aber explizit einen Männerbeauftragten? Die meisten Projekte der Gleichstellungsbüros richten sich längst an beide Geschlechter.» Und Leila Straumann, Leiterin der Abteilung Gleichstellung von Frauen und Männern des Kantons Basel-Stadt, sagt: «Mit der expliziten Stelle eines Männerbeauftragten könnte ein Geschlechterkampf konstruiert werden.»

Wird da etwas wieder aus­einanderdividiert, was überhaupt erst mit Mühe zusammengefügt wurde? Und wenn es in Zukunft im Zürcher Büro einen Männerbeauftragten gibt – wird Helena Trachsel dann zur «Frau­enbeauftragten», die sich nur um die Anliegen der Frauen kümmert? «Wir werden beide beides machen», sagt sie.

Altes Klischee neu aufgelegt?

Leila Straumann aus Basel findet den zukünftigen Männerbeauftragten noch aus einem anderen Grund bedenklich: «Das alte Klischee, Gleichstellungsbüros seien nur für Frauen da, könnte wieder aufgewärmt werden.» 2007 bemühte es die SVP Basel-Landschaft in einer Initiative zur Abschaffung der kantonalen Fachstelle für Gleichstellung: «Jetzt reichts mit Emanzen-Subventionen!» Die Initiative wurde damals bachab geschickt, aber auf das Klischee wird bis heute vor allem in rechtsbürgerlichen Kreisen gern zurückgegriffen. Helena Trachsel in Zürich betont jedoch, sie habe sich bei ihrem Entscheid nicht politisch unter Druck gesetzt gefühlt.

Veröffentlicht am 20. Dezember 2011

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1 Kommentar

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Elisabeth Beck
Es kommt nicht auf Frau oder Mann an, sondern wer den besseren Leistungsausweis hat. Das ewige 'Mehr Frauen etc.'-Geschrei kann ich als Frau nicht mehr hören. Genau so verhält es sich mit dem Gleichstellungsbüro. Muss eine Frau sowas durchsetzen, sollte sie das 'Warum' nicht woanders suchen.

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