Ihre Münzen kann man an UBS-Schaltern kaufen, und sie ist in der offiziellen Schweizer Händlerliste aufgeführt – seriöser geht es in dieser Branche kaum. Trotzdem hat die Swiss Bullion Corporation nun eine Strafanzeige des Bundes am Hals: wegen Verletzung des Wappenschutzgesetzes.

Dabei wähnte sich die Zuger Firma auf der sicheren Seite. Als sie plante, eine Art neues Goldvreneli – das letzte offizielle wurde 1949 hergestellt – auf den Markt zu bringen, «haben wir zwei Jahre lang verschiedenste Abklärungen getroffen», sagt Verwaltungsratspräsident Giancarlo Camerana. So kontaktierte er die Steuerverwaltung zum Thema Mehrwertsteuer. Denn sogenanntes Bankgold, darunter fallen auch «kreisförmige Barren», im Volksmund «Münzen», sind von der Mehrwertsteuer befreit. Nebenbei erklärte die Steuerverwaltung in ihrem Brief vom September 2012 auch, der zunächst vorgesehene Aufdruck «Swiss made» sei nicht gestattet, auch nicht «Confoederatio Helvetica». Hingegen sei es «zugelassen», mit der Prägung «Schweizerische Eidgenossenschaft» in allen vier Landessprachen auf die Herkunft des Produkts hinzuweisen.

Exakt dies tat die Swiss Bullion Corporation. Seit Ende 2013 ist die Münze erhältlich, mehrere tausend sind verkauft, zu rund 1200 Franken für eine Feinunze (31,1 Gramm) mit einem Goldgehalt von 99,99 Prozent.

«Beziehung zum Staat vorgetäuscht»

Etliche Medienbeiträge widmeten sich dem «neuen Goldvreneli». Niemand intervenierte – bis SVP-Nationalrat Maximilian Reimann, im Nebenamt Geldberater, Anfang Juni im Parlament dazu eine Frage stellte. Der Gebrauch des Wortes «Eidgenossenschaft» sei verboten, sofern damit eine amtliche Beziehung des Staats zu ­einem Produkt vorgetäuscht werde, antwortete Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf – und löste recht­liche Schritte gegen die Firma aus.

«Wem kann ich denn noch trauen, wenn nicht der Eidgenössischen Steuerverwaltung?», fragt Firmenchef Camerana. Dem Beobachter legt er ein zweites Schreiben der Steuerverwaltung vor: Im Februar 2013 schrieb sie sogar, die Verwendung des offiziellen Namens des Herstellerlandes sei eine der Voraussetzungen, damit die Münzen als Bankgold qualifiziert werden.

Von Nationalrat Reimann konfrontiert, gestand Bundesrätin Widmer-Schlumpf ein, einige Formulierungen im Brief seien «unglücklich». Es sei aber stets um die Mehrwertsteuer gegangen, nicht um die Münze an sich.

So nimmt nun das Strafverfahren seinen Lauf. Allzu wichtig scheint der Staatsanwaltschaft Zug die Sache nicht. Nach einem Monat ist sie immer noch damit beschäftigt zu klären, ob sie überhaupt zuständig ist.

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