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Graubünden 2022Olympisches Dauerfeuer

Der Medienkonzern Ringier («Blick», «Schweizer Illustrierte») kämpft mit voller publizistischer Kraft für die Bündner Olympiakandidatur – eine Ringier-Tochterfirma hat den Vermarktungsauftrag.

Volles Rohr: Ringier-Blätter werben mit Promis und Bundesrat für Olympia Graubünden 2022.
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Zurückhaltung ist nicht Sache der «Schweizer Illustrierten». Auf 22 Seiten preist sie Graubündens Olympiakandidatur 2022 und präsentiert 100 Promis aus Sport, Unterhaltung, Wirtschaft und Politik. Sie erklären, weshalb die Schweiz nach 1928 und 1948 unbedingt wieder Olympische Winterspiele durchführen sollte. Sekundiert vom «Blick» und weiteren Titeln der umsatzstärksten Schweizer Medienfirma, lautet die Botschaft: Die ganze Schweiz profitiere vom sport­lichen Grossanlass.

Was nirgends steht: Ringier profitiert schon heute vom Olympiatraum. Die Tochterfirma Infront Ringier vermarktet für Swiss Olympic die Kandi­datur, führt das Generalsekretariat der Olympiapromotoren und verwaltet die Finanzen von Graubünden 2022. Das sind immerhin budgetierte 60 Millionen Franken – zumeist Steuergeld, je 30 Millionen Franken von Bund und Gemeinden sowie Sponsoren.

Auch Sepp Blatter ist im Ring

Sagt das Bündner Stimmvolk am 3. März 2013 Ja, hat die Schweiz gute Chancen, die Olympischen Winterspiele 2022 durchzuführen. Damit steigen auch die Chancen der Ringier-Tochter, mit dem Ticketverkauf und der Vermarktung allfälliger TV-Rechte das grosse Geschäft zu machen. Was für Ringier gut ist, könnte für die Schweizer Steuerzahler teuer werden. Graubünden 2022 kostet den Bund mindestens zwei Milliarden Franken (Durchführung und Investitionen), möglicherweise aber viel mehr. Das Internationale Olympische Komitee verlangt von der Schweiz nämlich eine Defizitgarantie in unbeschränkter Höhe.

Wie viel Ringier für die wohlwollende Berichterstattung von Infront Ringier erhält, ist nicht bekannt. Ringier-CEO Marc Walder lässt ausrichten: «Kommerzielle Interessen sind nicht im Spiel.» Aber: «Zahlen kommunizieren wir keine.» Die Aktion der «Schweizer Illus­trierten» sei aus «voller Überzeugung» zustande gekommen. Die Frage, ob die Aktivitäten der Infront Ringier nicht die Glaubwürdigkeit der Ringier-Medien gefährde, beantwortet Walder nicht.

Höhepunkt der Parade der 100 Prominenten ist ein Interview mit Fifa-Chef Sepp Blatter. Auf die Frage, ob er «überhaupt einen persönlichen Bezug» zu Olympischen Spielen habe, erzählt er ausschweifend aus seinem Leben. Was er verschweigt: Verwaltungsratspräsident von Infront Ringier ist sein Neffe Philippe Blatter.

Veröffentlicht am 19. Februar 2013