Als Anwalt ist sich Hans Hurter das Streiten gewohnt. Derzeit liegt er mit der Eidgenossenschaft vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Clinch, weil er vor Jahren dem Luzerner Obergericht Prozessbetrug und Amtsmissbrauch vorgeworfen hatte und dafür mit einer 500-Franken-Disziplinarstrafe belegt wurde. Auch sonst habe er in all den Jahren «schon vieles erlebt» mit Politikern und Richtern, sagt Hans Hurter.

Doch jetzt hat er genug: Im Wahljahr 2003 will er die Faust aus dem Sack nehmen und bläst zum Angriff auf das politische Establishment.

Mit 10'000 Franken aus der Privatschatulle hat er die Stiftung «Pro parteilose und unabhängige PolitikerInnen und für Transparenz» (Palun) gegründet. Sein Ziel ist, Parteilose in Parlamente, Regierungen und Gerichte zu bringen. Denn «letztlich können sich nur parteilose und unabhängige Politiker und Richter vorbehaltlos zum Wohle des ganzen Volkes und für Gerechtigkeit einsetzen», ist Hurter überzeugt. «Bis zum heutigen Tag werden wir nur von Parteien regiert statt von Parteilosen, die eigentlich eine Mehrheit sind.» Dazu komme, dass in den etablierten Parteien nicht die besten Leute an die Spitze kämen, «sondern die Anpasser, die immer bloss die Parteiparolen vertreten».

Per Inserat, durch Gespräche und mit Flugblättern sucht der Anwalt deshalb Personen, die für die kommenden Luzerner Grossratswahlen vom 6. April kandidieren wollen. Interessenten können sich in seiner Kanzlei oder per 0900er-Telefonnummer melden. Erwünscht ist, wer parteilos ist, «Politik nicht für Parteien macht, sondern für das Luzerner Volk».

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Politische Leitplanken kennt Hurter keine; auf der Palun-Liste haben alle Platz, mit Ausnahme von «Links- und Rechtsextremen». Die Kandidaten sollen sich lediglich «für eine nachhaltige, gesunde Entwicklung im Gesamtinteresse» einsetzen.

Dass das «Gesamtinteresse» je nach politischem Standort Gegenteiliges heissen kann, blendet der umtriebige Kandidatenförderer aus. «Auch ein Parteiunabhängiger muss klare Standpunkte vertreten und wird es nie allen recht machen können», sagt etwa Othmar Wüest, Geschäftsführer der Luzerner FDP.

Für die Palun-Liste reichen Parteilosigkeit und Transparenz als einzige Kriterien aus. Transparenz meint: Angaben zu Mandaten, Mitgliedschaften, zum Einkommen, Vermögen, persönlichen Abstimmungs- und Wahlverhalten und zur Wahlkampffinanzierung. Mit rund 15 Interessenten hat Hurter bisher unverbindliche Gespräche geführt. Geld für den Wahlkampf liegt bereit. 1999 setzte er 15'000 Franken für seine eigene erfolglose Kandidatur ein, für die diesjährigen Wahlen hat er 40'000 Franken budgetiert. Fliessen keine Spenden und Beiträge der Kandidaten, bezahlt er selbst. Dafür hat er das Sagen: Wer letztlich auf die Palun-Liste kommt und wer nicht, bestimmt Hurter als einziger Stiftungsrat alleine.

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Andere bekannte parteilose Politikerinnen und Politiker – etwa Luzerns Stadtpräsident Urs W. Studer oder die Zürcher Stadträtin Monika Weber – schütteln über Hurter den Kopf und distanzieren sich unter Androhung von gerichtlichen Schritten von der Stiftung Palun. Und auch bei den Luzerner Parteien stösst der Anwalt der Parteilosen auf wenig Verständnis. Die SVP taxiert Hurters Stiftung, seine Aussagen und Ansichten als «überflüssig», die FDP als «undifferenziert» und die CVP schlicht als «absurd». Hans Hurter verkenne wichtige Grundsätze und Regeln der Demokratie, sagt CVP-Sekretär Ludwig Peyer. «Letztlich ist ja auch Hurters Stiftung eine politische Partei, ob er dies wahrhaben will oder nicht.»