Im «Jütte-Bericht» formulierte eine internationale Expertengruppe schwere Vorwürfe gegen den damaligen Leiter des Medizinhistorischen Museums der Uni Zürich, SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Dies machte der «Tages-Anzeiger» vergangenen September publik. Mörgeli musste seinen Posten räumen. Seither befindet sich der SVP-Politiker in einem Rechtsstreit mit der Uni Zürich: «Der Bericht enthält groteske Falschaussagen», sagt Mörgeli.

Nachprüfen lässt sich das nicht. Die Uni Zürich will nicht, dass die Öffentlichkeit erfährt, was im Jütte-Bericht wirklich steht. Nicht einmal die Zusammensetzung der Expertengruppe soll bekanntwerden.

Der Beobachter blitzte ab

Rektor Andreas Fischer begründet seine Weigerung mit den Persönlichkeitsrechten der am Gutachten beteiligten Experten. Gegen diese seien erhebliche Drohungen ausge­stossen worden. Zudem be­stehe im Fall einer Veröffentlichung die Gefahr, dass die Uni in Zukunft keine externen Gutachter mehr finden werde.

Die Rekurskommission der Zürcher Hochschulen unter dem Vorsitz von Viviane Sobo­tich stützt jetzt den Entscheid von Rektor Fischer, gegen den der Beobachter rekurriert hatte. Experten wundern sich. «Ein sehr befremdliches Urteil. Wenn ein solches Gutachten nicht veröffentlicht wird, kann es vom Auftraggeber ohne öffentliche Kontrolle verwendet werden», kritisiert der grüne Nationalrat und Anwalt Daniel Vischer. Das ­gehe bei öffentlichen Institutionen nicht an. Ein Gutachten müsse dem öffentlichen Diskurs standhalten können, sonst sei es nichts wert.

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