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HafenkranGift an der Limmat

Der Rostschutz des Zürcher Hafenkrans enthält toxische Stoffe. Die Stadt hält die Bedenken für übertrieben.

Gefährliche Chemikalien im Schutzanstrich: Kunstwerk Hafenkran
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«Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit», sagte der Komiker Karl Valentin. Und Kunst braucht Zeit. Sechs Jahre dauerte es, bis der alte Hafenkran aus der DDR am Ufer der Limmat stand. Jahre, in denen sich Künstler und Politiker und Volk um Sinn und Zweck und Geld und Ort stritten. Jahre, in denen Beamte jedes Detail prüften und sogar für das Schiffshorn, das den Kran ­einmal die Woche mit lauten Tuten begleiten darf, eine Baubewilligung forderten.

PCB am Koloss aus Rostock

Und nun das: Der Koloss aus Rostock ist offenbar mit einem Giftcocktail überzogen. Das ergaben Messungen, die ein Profi-Labor im Auftrag von Privaten durchführte. Die Analyse zeigte: Der Schutzanstrich besteht zu 14 Prozent aus Zink und zu 13 Prozent aus Blei und enthält zudem polychlorierte Biphenylene (PCB) sowie Strontiumchromat.

PCB seien den für Mensch und Umwelt «besonders gefährlichen Industriechemika­lien zuzuordnen», schreibt das Bundesamt für Umwelt. Daher ist ihr Einsatz seit 1972 ver­boten. In der Beschichtung des Krans fanden sich PCB in einer Konzentration von sechs Milligramm pro Kilo. Ein Kinderspielplatz muss bereits ab einem Gehalt von einem Milligramm pro Kilo Boden saniert werden, gibt der Bund vor.

Strontiumchromat, der zweite problematische Stoff im Rostschutz, gilt als giftig und umweltgefährlich. Das Labor fand ihn in einer Konzentra­tion von beachtlichen 1700 Milligramm pro Kilo. Chrom VI, ein wesentlicher Bestandteil von Strontiumchromat, muss als Sondermüll entsorgt werden, wenn die Konzentration 0,5 Milligramm pro Kilo Abfall überschreitet. Der Rostschutz aus Rostock übertrifft den Wert um das 3400-Fache.

Stadt sieht kein Problem

Das Tiefbauamt der Stadt Zürich ist anderer Meinung: Man habe, schreibt Projektleiter Rolf Kaspar, «bei der Montage in Zürich keinen Hinweis auf PCB gefunden». Die Resultate des Labors seien allenfalls ein Hinweis dafür, dass der Anstrich Spuren von Verunreinigung mit PCB zeige. Zink, Blei und Chrom würden in modernen Schmelzanlagen über die Abgasreinigung ausgeschieden. Fazit: «Der Hafenkran kann ohne Zusatzkosten eingeschmolzen werden.»

Ein Vertreter des Labors, das die Analyse durchgeführt hat, wundert sich: «Warum stellt die Stadt mitten in der Fussgängerzone und damit für alle zugänglich einen 90-Tonnen-Kran auf, der mit einem Giftcocktail überzogen ist?», fragt er. «Der Punkt ist, dass niemand mit dem Korrosionsschutzanstrich in Berührung kommen sollte.»

Veröffentlicht am 06. Juni 2014