Die Zahl der Hotelübernachtungen in Arosa ist in den letzten Jahren rückläufig. «Es fehlt an guten und mittelfristig umsetzbaren Ideen, die diesen Trend stoppen», sagt Markus Salathe von der MS Bautreuhand AG, die zusammen mit der Zschokke Generalunternehmung AG das Projekt eines Wellnesszentrums in Arosa entwickelt. Auf einer Fläche von 60'000 Quadratmetern wollen die Promotoren – Investoren lassen sich erst finden, wenn das Projekt bewilligt ist – eine Anlage erstellen, wo gut betuchte Erholungsuchende sich einen medizinischen Check-up mit Vollservice leisten und sich verwöhnen lassen können.

Nicht alle sind erfreut über diese Entwicklungsförderung durch Auswärtige. Im Dorf hat sich ein breit abgestütztes Komitee gebildet, welches das betroffene Areal «Prätschli» als ruhiges Wandergebiet erhalten will. Die Gegner wehren sich nicht nur gegen die Überbauung einer einzigartigen Landschaft, sondern auch dagegen, wie das Projekt aufgegleist wurde. Markus Lütscher, der Präsident des gegnerischen Komitees «Umzonung Prätschli-Maran Nein»: «Wir fühlen uns hintergangen, weil die Gemeinde bei der Zonenplanrevision im Jahr 2002 schon mit den Initianten des Projekts Kontakt hatte, aber die Bevölkerung nicht informierte.»

Das Gebiet liegt in der Landwirtschaftszone und müsste in die Bauzone verlegt werden. Dafür braucht es aber eine Volksabstimmung. «Wenn das Projekt vorliegt und in der Gemeinde diskutiert worden ist, können wir die Abstimmung durchführen, vermutlich schon diesen Frühling», sagt Gemeindepräsident Vinzenz Vital, der ebenso wie die Verantwortlichen der Aroser Bergbahnen und der Tourismusförderung das Projekt unterstützt. Die Details kennt freilich noch niemand.

Auch die Bündner Regierung unterstützt trotz schweren Bedenken des eigenen Amts für Raumplanung das Projekt. Dieses schrieb in einem Bericht im April 2004: «Der gewählte Standort bei ‹Prätschli› ist aus landschaftlicher Sicht äusserst heikel. Durch das grossflächige Bauvorhaben wird eine bisher intakte Geländekammer (…) zerstört und der bisher offene Landschaftsteil (…) durch teils massive Baukörper unterbrochen.» Die Promotoren sind nun dabei, das Projekt umzuarbeiten, um genügend Abstand zu einem schützenswerten Moor zu halten.

Investoren aus Deutschland
Grundeigentümerin des Bodens ist die Bürgergemeinde Chur. Diese ist «am Projekt interessiert», wartet aber den Entscheid über die Umzonung ab. Betrieben werden soll das Wellnesszentrum von der deutschen Arkona AG und einem Tochterunternehmen des Reiseunternehmens TUI. Die deutschen Unternehmer führen unter der Marke «A-ROSA» bereits mehrere Wellness-Resorts in Deutschland und Österreich. Weil die Marke gut verankert ist, wollen sie unbedingt nach Arosa. «Wenn jedoch die Gemeindeversammlung die Umzonung ablehnt, ist es wahrscheinlich, dass das Projekt an einem anderen Standort in der Schweiz weitergeführt wird», sagt Ernst Senteler von der Zschokke Management AG.

Das im Dorf breit abgestützte gegnerische Komitee ist nicht grundsätzlich gegen einen Hotelbau, würde es aber vorziehen, wenn man die im Dorf existierenden grossen Hotels modernisierte. Auch befürchtet es, dass die Appartements in der «Dorfhotel»-Anlage, sollte das Konzept nicht aufgehen, dereinst als Zweitwohnungen verscherbelt würden. Von denen habe man indes schon mehr als genug.

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