Der Jahresbericht der kantonalen Lebensmittelinspektoren ist immer eine Schlagzeile wert. Doch wer ein Grüselbeizer ist und wer nicht, erfahren die Schweizer Konsumenten nicht. So will es das Lebensmittelgesetz. Diese Schweigepflicht will der Bundesrat mit der laufenden Revision des Gesetzes nun lockern.

Der Verband der Kantonschemiker hat sich gegen eine Lockerung ausgesprochen. Die Bekanntgabe von Ergebnissen trage nicht zur Lebensmittelsicherheit bei. Beanstandungen durch die Kontrolleure würde jeweils rasch Folge geleistet, die Befunde der Kontrollen seien deshalb schnell überholt.

Dabei zeigt ein Blick nach Berlin: Das Vorhaben des Bunderats ist ein Schritt in die richtige Richtung. Im Stadtteil Pankow veröffentlicht das Ordnungsamt im Wochenrhythmus eine Liste mit jenen Betrieben, in denen Kontrolleure «schwerwiegende Hygienemängel» entdeckt haben.

«Nur schon die Drohung nützt»

Der zuständige Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner ist von der Wirkung begeistert. Bussen allein hätten bei vielen Betreibern die Motivation für eine Verbesserung der Hygiene nicht erhöht. «Aber schon nur die Drohung mit der Veröffentlichung hat in vielen Fällen dazu geführt, dass Missstände beseitigt wurden.» Auf der öffentlichen Liste landet nämlich nur, wer die Mängel gar nicht oder nicht gut genug beseitigt. Die Liste wird wöchentlich aktualisiert. Bedenken in Sachen Datenschutz hat Kirchner keine: «Der Kunde hat ein gesetzliches Recht auf diese Informationen.»

Auch in Zug können sich Kunden seit Dezember über die Sauberkeit in Beizen, Metzgereien und Bäckereien informieren. Das Amt für Verbraucherschutz schickte allen Lebensmittelbetrieben eine «Qualitätsbescheinigung für Lebensmittelsicherheit». Darin sind die Ergebnisse der Kontrollen aufgeführt. Die Sache hat allerdings einen kleinen Haken: Das Aushängen des Zertifikats ist freiwillig.

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) begrüsst die Stärkung der Informationsrechte grundsätzlich. Die Zuger Lösung gehe aber noch zu wenig weit. SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder: «Gastrobetriebe sollten verpflichtet sein, im Eingangsbereich eine für alle Konsumenten leicht verständliche Bescheinigung über die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen aufzuhängen.»