Zweimal sind Einbrecher in ihr Haus eingedrungen; der erste Eindringling war keine zwei Meter von ihr entfernt. Irene K. lag mit einer Grippe im Bett, als sie durch ein Geräusch aufschreckte. Auf dem Bett ihres Mannes sah sie einen Mann sitzen. Er schickte sich an, die Nachttischschublade nach Wertsachen zu durchsuchen.

Irene K. schrie. Mit Erfolg: Der Fremde verschwand. Der Täter muss beobachtet haben, wie ein Familienmitglied das Haus verlassen hatte, ohne die Tür zu verschliessen. Er nutzte die Gelegenheit kaltblütig aus. Er hätte ahnen müssen, dass jemand im Haus war: Die Tassen im Spültrog waren noch warm. Aber, so Irene K: «Es hat ihn offensichtlich gar nicht gestört. Im Gegenteil, er hat noch seine Zigarette hineingeworfen.»

Daraufhin machte er sich auf die Geldsuche, zuerst im unteren Stockwerk, dann drang er ins Schlafzimmer im oberen Stock ein. Die Frau im Bett dürfte er erst wahrgenommen haben, als sie zu schreien begann. Mit rund 2000 Franken flüchtete er. Schmuck interessierte ihn nicht. Die Polizei tippte später auf einen Fixer. Doch für Irene K. ist ihr Haus kein sicheres Refugium mehr: «Das Geld kann man verschmerzen. Aber die Tatsache, dass der über mich hätte herfallen können, beschäftigt mich noch heute. Wenn ein Luftzug eine Tür ins Schloss fallen lässt, erstarre ich zur Salzsäule. In einem Raum mit vielen Leuten stehe ich an der Wand. Im Tram ängstige ich mich, wenn jemand hinter mir steht.»

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Zwei Jahre später erhielt sie zum zweiten Mal ungebetenen Besuch. Zwischen ein und fünf Uhr morgens verschaffte sich der Täter durchs Kellerfenster Zutritt zum Haus. Am Morgen stellte Irene K. fest, dass nicht nur Geld fehlte, sondern auch drei Paar neue Turnschuhe verschwunden waren. Für die Polizei ein Hinweis auf einen Einbrecher aus dem Balkan. Turn- und Laufschuhe liesssen sich dort bestens verkaufen.

Doch der Schreck für Irene K. blieb. Kam dazu, dass ihr Mann in diesen Tagen geschäftlich abwesend war. Einzig ihre Tochter war noch im Haus. «Die Vorstellung, im eigenen Haus von einem Fremden beobachtet zu werden, sucht mich immer wieder heim», sagt Irene K. «Ich fühle mich nicht mehr sicher. Dann kriecht die Angst den Rücken hoch.» Auch ihre Tochter leidet seither unter Angst. Ist sie allein, schliesst sie sich oft in ihrem Zimmer ein.

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Die Familie hat seither einige technische Vorkehrungen für mehr Sicherheit getroffen. «Aber in einer Festung will ich nicht leben. Das würde in mir nur noch öfter die Erinnerung an die beiden Einbrüche wecken», sagt Irene K., «und die Angst dazu.»