Ein halbes Jahr bereitete sich Florian Rufli auf den Ironman Switzerland in Zürich vor: auf 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen. Doch eine Stunde vor Startschuss zerschlugen sich seine Hoffnungen. Dort, wo der 36-jährige Zürcher sein 10’000-fränkiges Rennvelo deponiert hatte, hing nur noch ein Kleber mit seiner Startnummer 425. Wie alle anderen Teilnehmer hatte er sich vertraglich verpflichtet, sein Rad am Vortag in einer gesicherten Zone einzuchecken. Gleichwohl wurden acht Velos aus diesem Areal gestohlen.

«Ohne Rad konnte ich nicht starten. Ich war am Boden zerstört», sagt Rufli. «Alle Vorbereitungen waren für die Katz.» Beim Einchecken in die gesicherte Zone habe ein Chaos geherrscht, weil zu dieser Zeit auch der Züri-Triathlon stattfand. Obwohl sich gemäss Reglement nur Ironman-Athleten in der gesicherten Zone aufhalten durften, hatten auch die Züri-Triathlon-Teilnehmer Zugang. Und diese wurden laut Rufli nur lasch kontrolliert. «Nicht jeder, der ein Velo auscheckte, musste auch seine Startnummer vorweisen», ärgert sich Rufli. Doch genau das wäre laut Reglement Vorschrift gewesen. Gegenüber dem Beobachter bestätigen mehrere Athleten Ruflis Aussage.

Magerer Vergleich
Trotz dieser Fahrlässigkeit lehnt die Veranstalterin BK Sportpromotion AG in Schlieren ZH jede Verantwortung ab. Der Präsident des Ironman Switzerland und Geschäftsführer der BK Sportpromotion, Martin Koller, ist der Ansicht, dass eine Diebesbande in die Sicherheitszone eingebrochen sei. «Auch bei Einhaltung strengster Sicherheitsvorkehrungen lassen sich solch dreist organisierte Diebstähle offenbar nicht verhindern.» Für die Zürcher Stadtpolizei ist laut Mediensprecher Michael Wirz indes nicht gesichert, wie die Fahrräder geklaut wurden.

Den Vorwurf, die Kontrollen seien zu lasch gewesen, bestreitet Martin Koller. Ausserdem sei laut Reglement Diebstahl von der Haftung ausgeschlossen. Alexandra Gavriilidis, Juristin vom Beobachter-Beratungsteam, widerspricht: «Rechtlich gesehen ist ein vertraglicher Haftungsausschluss bei grober Fahrlässigkeit ungültig.»

Der Veranstalter speist den Athleten nun mit einem mageren Vergleich über rund 2000 Franken ab. Bitter: Seine Versicherung kommt nicht für den vollen Wert des Velos auf - etwa 2500 Franken muss sich Florian Rufli ans Bein streichen.

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