Es sind unmissverständliche Worte, die der Revisionsexperte wählt, nachdem er im Auftrag des Bundes die Buchhaltung der Dachorganisation der Schweizer Fahrenden überprüft hat. «Ohne externe Hilfe wird die Radgenossenschaft der Landstrasse wohl kaum zu retten sein», schreibt er an Daniel Huber, den Präsidenten der Organisation, die diesen Sommer nach hohen Spesen- und Lohnvorbezügen ins Trudeln geraten war (beobachter.ch/jenische). Die Zahlen in dem Schreiben, das dem Beobachter vorliegt, sind denn auch düster: Um die überschuldete Organisation zu sanieren, fehlen rund 63'000 Franken. Die Revisionsstelle gibt Huber bis Ende Monat Zeit für eine nachhaltige Sanierung – dann droht der Gang vor den Konkursrichter.

Dies ist bereits die zweite Frist für eine Sanierung, die Huber erhält. In einem ersten Sanierungsvorschlag Anfang September brachte er ein Legat in der Höhe von 80'000 Franken ins Spiel, von dem allerdings noch nicht gesichert ist, wann und ob es überhaupt ausbezahlt wird. Bislang, so stellt die Revisionsstelle fest, liege noch kein unwiderrufliches Zahlungsversprechen vor.

Fragt sich also, woher das Geld kommen soll, um die arg in Schieflage geratene Radgenossenschaft zu retten. Zumindest etwas Luft würden ihr die 40'000 Franken verschaffen, die das Bundesamt für Kultur (BAK) bis Ende Jahr vorzuschiessen bereit ist. Doch das Angebot des BAK ist an eine Bedingung geknüpft: Wie Anfang Woche bekannt wurde, fliesst das Bundesgeld nur, wenn Huber und das gesamte Führungsgremium der Radgenossenschaft zurücktreten und ihr so einen Neuanfang für eine «gedeihliche Zusammenarbeit» ermöglichen.

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Der Präsident der Jenischen hält an seinem Posten fest

Hubers harsche Antwort darauf in einer Erklärung, die er auf der Facebook-Seite der Radgenossenschaft veröffentlichen liess: «Es wird keine Rücktritte in der Radgenossenschaft geben.» Der 48-Jährige geht damit offen auf Konfrontationskurs mit dem Bund, der seine Organisation jährlich mit rund einer Viertelmillion Franken praktisch allein finanziert – und gefährdet damit den Fortbestand der Radgenossenschaft, die 1975 gegründet wurde, um die Interessen der als ethnischen Minderheit anerkannten Schweizer Jenischen zu wahren.

Dass sich Huber derart an sein Amt klammert, kommt bei den meisten Jenischen nicht gut an. Wie seine Erklärung auf Facebook zeigt, sieht er sich selber aber als Opfer von «Verleumdungen», die er aufdecken und in den kommenden Wochen öffentlich machen werde. Gleichzeitig gibt er sich ahnungslos, wie es zur desolaten Finanzlage kommen konnte, die der Beobachter im Juli publik machte. «Wir können uns das Loch in der Kasse selber noch nicht erklären», sagte er im «Tages-Anzeiger».

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Allzu schwierig ist das allerdings nicht, wenn man sich die Bankauszüge genauer ansieht, auf die sich der Beobachter bereits im Sommer stützte. Sie zeigen, dass Huber sich im ersten Halbjahr über 100'000 Franken auszahlen liess. Ins Gewicht fallen dabei hauptsächlich Lohnvorauszahlungen, aber auch Spesen: Alleine im vergangenen Februar kassierte er 3000 Franken Kilometer- und 2000 Franken Verpflegungsspesen. Bei einer Pensenerhöhung von 60 auf 80 Stellenprozente wuchs zudem sein Lohn überproportional – ohne, dass dies vom Führungsgremium abgesegnet worden wäre.